Notarzt: "Zustand besorgniserre­gend"

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Foto: KURIER/jeff mangione 40 Asylwerber harren nach 33 Tagen noch immer in der Kirche aus

Die Lage in der Votivkirche spitzt sich offenbar zu. AKH-Mediziner vor Ort besorgt. Wiener Rettung musste knapp 30 Mal anrücken.

Shah Jahan Khan befindet sich seit 27 Tagen im Hungerstreik. Er ist abgemagert. Drei Mal musste er im Spital bereits behandelt werden. „Ich will in der Kirche bleiben bis ich einen legalen Status habe“, sagt der 34-Jährige, der angibt, in seiner Heimat Pakistan von den Taliban gefoltert worden zu sein. Die meisten der 40 anderen Asylwerber, die seit 33 Tagen in der drei Grad kalten Kirche ausharren, sagen ähnliches. „We need a legal status“, antworten viele auf die Frage, unter welchen Umständen sie das Gotteshaus wieder verlassen würden. Die großen Parolen – die Forderungen nach Löschungen von Fingerprints und einem Bleiberecht für alle – sind verklungen. Der Einfluss obskurer Aktivisten dürfte abgenommen haben. Den Asylwerbern geht es nun um ihre eigene Haut.

Doch im Moment schaut es nicht danach aus, als würde ihre Forderung erfüllt. Mitte der Woche hieß es im Büro von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP): Es werde keine weiteren Verhandlungen geben. „Unser Angebot, die Flüchtlinge in anderen Unterkünften unterzubringen, bleibt aber selbstverständlich aufrecht.“

Indes wird die Zeit offenbar immer knapper. Michael Hüpfl kennt die Lage vor Ort. Als Johanniter ist der AKH-Arzt seit Wochen fast täglich in der Kirche, um die Asylwerber zu untersuchen: „Ihr Gesundheitszustand hat sich absolut verschlechtert“, sagt er. „Nach meiner letzten Visite mache ich mir zunehmend Sorgen.“ Knapp 30 Mal rückte die Retttung an, weil der Zustand einzelner bedrohlich schien. „Im Schnitt haben diese Menschen 15 Prozent ihres Körpergewichts verloren.“

Suche nach Ausweg

Doch wie geht es weiter? Und wann wird dieser Protest für die Besetzer lebensbedrohlich? „Das ist schwer zu sagen“, sagt der Arzt. „Klar ist: Wenn Gefahr an Leib und Leben besteht, ist es meine Pflicht als Mediziner einzugreifen.“ Doch bislang sei eine Zwangsernährung, die das Gesetz ermögliche, nicht nötig gewesen.

Am Freitag statteten die Caritasdirektoren Michael Landau und Franz Küberl den Asylwerbern einen Besuch ab. Beide kritisierten, dass die zuständigen Politiker im Bundeskanzleramt und im Innenministerium keine „vernünftigen Lösungen“ anbieten würden. Angesichts der großen Herausforderungen, die Österreich in der Vergangenheit bei der Flüchtlingsaufnahme bewältigt habe, sei die Situation in der Kirche alles andere als unlösbar.Die Flüchtlinge selbst forderte Landau auf, den Hungerstreik zu beenden.

(kurier) Erstellt am
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