Neuer Radweg frisst eine Auto-Fahrspur am Wiener Getreidemarkt

Stau am Getreidemarkt, Wien am 21.07.2016.…
Foto: Kurier/David Niedermayer Stau am Getreidemarkt (Archivbild)

Nur noch zwei Fahrstreifen von Mariahilfer Straße bis Lehargasse. Umbau von Anfang Mai bis Anfang September. Große Sommerbaustellen auch am Inneren Gürtel und in der Westausfahrt.

Mit Anfang nächsten Monats startet der Umbau des Wiener Getreidemarkts. Kernstück der Arbeiten, die in der Nacht auf den 3. Mai beginnen, ist die Errichtung neuer Radwege sowie einer Fußgängerquerung auf Höhe der Lehargasse. Die Folge der Neugestaltung: Autofahrer Richtung Naschmarkt müssen künftig im oberen Getreidemarkt-Abschnitt mit zwei statt bisher drei Fahrspuren auskommen.

Denn im Bereich der sogenannten Zweierlinie zwischen Mariahilfer Straße und Lehargasse - also bis Höhe des TU-Gebäudes - entsteht in den kommenden Monaten ein gut zwei Meter breiter, baulich vom Straßenbereich getrennter Fahrradweg, erklärte Bernhard Engleder, Chef der für Straßenbau zuständigen MA 28, am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Durch den Verzicht auf die dritte Autospur auf der vielfrequentierten Verkehrsachse sollen aber keine Probleme entstehen. "Die Leistungsfähigkeit der Straße ist ausreichend. Staumäßig wird sich hier nichts Gravierendes verändern", versprach Engleder.

Das obere neue Radstück ist gewissermaßen ein Lückenschluss bis zum Naschmarkt bzw. der Operngasse. Im unteren Getreidemarkt-Bereich wurde der baulich getrennte Radweg schon im Vorjahr - ebenfalls von heftigen Diskussionen begleitet - errichtet. Davor war auf der gesamten Strecke nur ein schmaler Radstreifen auf die Fahrbahn gepinselt.

Stau am Getreidemarkt, Wien am 21.07.2016.… Foto: Kurier/David Niedermayer Überhaupt keinen Radweg gab es bisher in die Gegenrichtung. Das ändert sich demnächst. Denn von der Gauermanngasse bis zur Babenbergerstraße - also parallel zum Neubaustück Richtung Naschmarkt - baut die Stadt ebenfalls einen Radweg. Fahrspuren fallen dadurch keine weg. Um den Getreidemarkt künftig besser queren zu können, wird auf Höhe Lehargasse/Gauermanngasse - also beim "Spitz" - ein ampelgeregelter Fußgänger- und Radübergang gebaut. Abgeschlossen sein soll das Projekt mit Ende der Sommerferien - also am 3. September.

Nur zwei Spuren

An die neue Situation können sich die Autofahrer bereits ab Mai einstellen. Denn durch die Bauarbeiten - begonnen wird mit dem Tausch von Wasserrohren, erst dann wird an der Oberfläche gewerkt - stehen in beiden Fahrtrichtungen nur zwei Spuren zur Verfügung. An Wochenenden oder zu "verkehrsschwachen Zeiten" wird es aber zusätzliche Einschränkungen geben, räumte der städtische Baustellenkoordinator Peter Lenz ein. Die Gesamtkosten inklusive Wasserrohrerneuerung belaufen sich auf 3,6 Millionen Euro.

Der Getreidemarkt ist freilich nicht die einzige Baustelle, die auf die Wiener im Lauf des Sommers zukommt. Andere Schwerpunkte liegen u.a. auf diversen Bereichen des Inneren Gürtels oder auf der Westausfahrt, die saniert werden muss. Details über damit verbundene Sperren, Umleitungen und Beeinträchtigungen will man erst zeitnah zum Baubeginn (Mitte Mai bzw. Ende Juni) bekanntgeben, sagte Lenz. Die Planungen seien nämlich noch am Laufen. Lenz versprach aber, die Stadt bemühe sich, Unannehmlichkeiten so gering wie möglich zu halten. Außerdem werden Hauptverbindungen im Umkreis von Großbaustellen als "baustellenfreie Korridore" uneingeschränkt befahrbar gehalten.

Hintergrund

Wien baut Rad- und Fußwegenetz weiter aus: Rund 30 Vorhaben 2017

Wien baut auch im heurigen Jahr das Netz für Radfahrer und Fußgänger weiter aus. Zentrale, teils bereits präsentierte Projekte wie die Neugestaltung des Stephansplatzes oder zusätzliche Rad- und Fußquerungen am Getreidemarkt stehen ebenso am Programm wie einige Vorhaben rund um den Hauptbahnhof oder jenseits der Donau. Die Josefstadt könnte eine Begegnungszone bekommen.

Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) stellte Ende März einige Highlights aus dem rund 30 Vorhaben umfassenden Bauprogramm vor. Mit 11,5 Mio. Euro die kostspieligste Maßnahme ist die Neupflasterung des Stephansplatzes, die bereits angelaufen ist. Ebenfalls fertig wird der mehrjährige Umbau der Fußgängerzone Meidlinger Hauptstraße. Das letzte Teilstück wird im Juli in Angriff genommen und soll im November abgeschlossen sein.

Für Stadtflaneure ebenfalls interessant: Die Lange Gasse im 8. Bezirk könnte noch heuer zur Begegnungszone umgewandelt werden. Könnte deshalb, weil der Bezirk hierzu noch die Anrainer im Mai befragen wird. "Ich hoffe auf ein Ja", sagte Vassilakou. Sie betonte dabei, dass 80 Prozent der Kosten - also rund 570.000 Euro - von der Stadt übernommen würden. Sollte das Votum pro Verkehrsberuhigung ausgehen, würde die Lange Gasse in das Flaniermeilenkonzept der Stadt integriert werden - konkret in den Spazierpfad vom Währinger Kutschkermarkt bis zur Wiedner Hauptstraße. Mit den Flaniermeilen will das Rathaus schrittweise attraktive Gehverbindungen quer durch das Stadtgebiet etablieren.

Viele Projekte sollen Radlern wie Fußgängern gleichermaßen zugutekommen. Ein - nicht ganz unumstrittenes - Highlight ist dabei sicherlich der Getreidemarkt. Mussten Biker früher im fließenden Verkehr auf einem schmalen Radstreifen mitstrampeln, gibt es im unteren Bereich beim Naschmarkt seit dem Vorjahr einen baulich getrennten Radweg. Heuer kommt das Stück zwischen Museumsquartier und Lehargasse dazu. Ein Radweg in der Gegenrichtung wird ebenfalls errichtet. Dazu kommt eine ampelgeregelte Querung für Fußgänger und Radler auf Höhe der Lehargasse bzw. der TU-Gebäude. Kritik gibt es an diesem Plan insofern, als durch den Wegfall einer Autospur im oberen Getreidemarktabschnitt Staus befürchtet werden. "Wir haben Verkehrsuntersuchungen gemacht und sind zum Schluss gekommen, dass es verträglich ist", konterte die Stadträtin heute.

Gewerkt wird einmal mehr rund um den Hauptbahnhof - darunter auch an neuen Verbindungen zwischen dem 3. und 10. Bezirk. Beispiele sind die Südbahnhofbrücke oder die Kempelenbrücke.

Radfahrbeauftragter Martin Blum freute sich heute besonders über die jenseits der Donau projektierten Verbesserungen. So wird im 22. Bezirk die Donaustadtstraße zur Radverbindung zwischen Stadlau und Donauinsel aufgewertet. Außerdem werden letzte Lücken auf der Breitenleer Straße geschlossen. In Döbling wird außerdem die Radstraße entlang der Donau - also die Kuchelauer Hafenstraße - bis zur Landesgrenze zu Niederösterreich verlängert.

(apa / dw) Erstellt am
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