Chronik | Wien
01.01.2012

Nachbarn standen ohne Schuhe auf der Straße

Die Familie Pollany kam mit dem Schrecken davon. Die Stadt Wien stellte eine Ersatzwohnung zur Verfügung.

Raus, raus aus dem Haus“, schrie Gabrielle Pollany ihrer Tochter zu. Zu diesem Zeitpunkt, Samstag um 17.30 Uhr war klar, dass der mächtige Knall nicht von einer eingeschlagenen Silvesterrakete stammen konnte. Denn die Feuermauer zum Nachbarhaus brach gerade in sich zusammen.

Tochter Tanja und ihre Mutter befanden sich zum Zeitpunkt der Explosion gerade im Erdgeschoß. „Ein unheimliches Glück. Wahrscheinlich leben sie nur noch aus diesem Grund“, ist Vater und Ehemann Peter Pollany, Buschauffeur und Hobbymusiker dankbar. „Beide leben. Sie sind mir das Wichtigste auf dieser Welt. Das Haus kann aufgebaut werden.“

Seine Frau stand barfüßig auf der Straße, die Tochter zitternd daneben. Die brennenden Häuser vor Augen, aber das nackte Leben gerettet. Sofort halfen Nachbarn mit Schuhen und Decken. Die ganze Nachbarschaft stand unter Schock.

Schließlich rief Tochter Tanja den Papa an. Er war zum Zeitpunkt der Katastrophe in einem Gasthaus. Denn zu Silvester wollte er mit seiner Band ein Konzert geben. Ehefrau und Tochter sollten im Publikum sein.

Mit einem Bekannten raste Pollany zu sich nach Hause. Nachdem die beiden Frauen von der Rettung untersucht wurden, durften sie mit dem Papa zu dessen Eltern fahren. Dort fand man die passende Kleidung. Das geplante Konzert übrigens ging planmäßig über die Bühne. Mit Frau und Tochter.

Die Stadt stellte eine Ersatzwohnung zur Verfügung. Der Schock für die Familie kam Sonntagvormittag. „Aber wir leben noch“, so die glücklichen Pollanys.

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