Der Angeklagte bekennt sich nicht schuldig

© KURIER/Gerhard Deutsch

Wien
10/13/2015

Nach tödlicher Explosion: Weiterer Psychiater bestellt

Mordprozess: Mietnomade soll Wohnung in Brand gesteckt haben. Gutachter fand beim Angeklagten Störung.

von Ricardo Peyerl

Seit eineinhalb Jahren ist die Justiz damit beschäftigt, die Brandkatastrophe am Hohen Markt zu klären. Am 16. April 2014 hatte jemand in einer Wohnung 15 Liter Benzin ausgegossen und Feuer gelegt.

Die 23-jährige Oxford-Absolventin Alexandra R. war in der Nachbarwohnung in ihrem Bett unter der einstürzenden Wand erstickt.

Gegen den Unternehmensberater Werner Crauss war kurz davor ein Delogierungsverfahren eingeleitet worden, weil er Zinszahlungen schuldig geblieben war. Der 45-Jährige war als Mietnomade von einer noblen Adresse zur nächsten gezogen. „Wir haben leider nicht wegen seiner finanziellen Situation nachgefragt“, sagt die Maklerin. Der Staatsanwalt glaubt, dass Crauss die Wohnung aus Wut wegen der Delogierung angezündet hat. Immerhin gehörte der Benzinkanister nachweislich ihm.

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Drohbrief

Außerdem schrieb Crauss nach der Explosion (und noch vor seiner Festnahme) dem Wohnungseigentümer einen Brief, in dem es wörtlich hieß: „Na du Holzwurm! Tja, nun viel Spaß, ich lass mich von überheblichen Dilettanten nicht verarschen. Du hast erstens den Falschen und zweitens den falschen Zeitpunkt erwischt. Ich hab dich auf den Monitor gesetzt. Beim nächsten Mal kracht's.“

Weiterer Gutachter, Prozess vertagt

Die Anklage wegen Brandstiftung entpuppte sich als zu kurz gegriffen, nun geht es im Wiener Landesgericht um Mord. Wobei der von Ernst Schillhammer verteidigte Crauss weder so noch so schuldig sein will: Jemand habe es auf ihn abgesehen gehabt, und als er nachts mit seinem Hund vom Gassigehen zurückgekehrt sei, habe ihn ein Feuerball zu Boden gestreckt. Ist der Mann ein wenig seltsam? Bis jetzt hieß es, er sei im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Am Dienstag erklärte Gerichtspsychiater Wolfgang Soukop zur Überraschung der Prozessbeteiligten, Crauss sei zwar zurechnungsfähig, aber schwer gestört und „nicht berechenbar“. Er sprach vom „typischen Charme eines Psychopathen“ und empfahl im Fall eines Schuldspruchs zusätzlich zur Strafe den Maßnahmenvollzug in einer Anstalt. Nun wird ein weiterer Gutachter beigezogen, der Prozess wurde vertagt.

Bemerkenswert ist, wie unterschiedlich die Hausbewohner die Brandnacht erlebt haben. Ein Mann musste seine geschockte Frau beruhigen, bis das Ehepaar von der Feuerwehr mit Atemschutzmasken gerettet wurde. Ein anderer Bewohner berichtet als Zeuge, er habe zwar Flammen und Rauch gesehen, sich aber zunächst Kaffee gekocht.

Bilder: Explosion am Hohen Markt

Wien: Brand in der Innenstadt

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