Chronik | Wien
22.03.2017

Nach Soft Opening im Winter beginnt echte Schanigartensaison

Wirte nehmen ihre Gastgärten wieder in Betrieb. 27 von ihnen nutzten die Winteröffnung.

Das Café Diglas im Schottenstift hatte Dienstagvormittag hohen Besuch: Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ), Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck und Kaffeehäuserobmann Wolfgang Binder hatten sich in dem neu übernommenen Kaffeehaus in der City eingefunden, um an den ersten warmen Tagen des Jahres auch die Schanigartensaison einzuläuten.

Eine "richtige" Schanigarteneröffnung gibt es seit heuer ja eigentlich nicht mehr. Denn die neue Regelung, die mit 1. Jänner in Kraft trat, ermöglicht es Wirten, auch in den Wintermonaten Tische ins Freie zu stellen – wenn dies genehmigt wurde.

Einer der ersten, der darum ansuchte und die Erlaubnis bekam, war Necdet Suat Mehmetoglu vom Lokal Levante in der Wallnerstraße. Sein Fazit: "Profitiert haben wir heuer zwar nicht davon,", sagt er, "es war ja im Jänner und Februar so kalt wie schon lange nicht. Aber wir werden es nächstes Jahr wieder probieren."

Das wird auch Maria Fodor tun, die Chefin des Ilona Stüberl in der Bräunerstraße (1. Bezirk): "Zum einen machen uns die Tische in der schmalen Bräunerstraße besser sichtbar. Außerdem sind wir seit zwei Jahren ein Nichtraucherlokal; da ist ein kleiner Gastgarten im Winter praktisch. Zum anderen haben wir immer wieder Gäste, die auf einen freien Platz warten; die können draußen mit einer Decke Platz nehmen und einen Aperitif trinken."

Wenige Anfragen

Insgesamt 27 Lokalbetreiber haben das Angebot in Anspruch genommen, heißt es aus dem Büro der zuständigen Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner ( SPÖ). Zwei weitere hätten eingereicht, bekamen jedoch keine Genehmigung. Zum Vergleich: Im Sommer gibt es in ganz Wien rund 2500 Schanigärten.

Ein Grund für die wenigen Anfragen könnte sein, dass das Gesetz erst mit Jahresbeginn in Kraft trat und das vielen Wirten zu kurzfristig war. Dafür spricht, dass jene Wirte, die ihren Schanigarten jetzt für den Sommer verlängern, die Wintermonate zum Großteil mitgenehmigen lassen. 74 Anträge wurden seit Jahresbeginn gestellt.

Peter Dobcak, Gastronomieobmann in der Wirtschaftskammer Wien, übte am Dienstag einmal mehr Kritik daran, dass die Gartenmöbel bei der Winteröffnung bereits um 23 Uhr weggeräumt werden müssen: "Zu dem Zeitpunkt ist das Lokal oft noch in vollem Betrieb. Viele Wirte haben aber keine passenden Lagermöglichkeiten. Wo sollen Tisch und Sessel also hin?"

Dieser Kritik schließen sich die Neos an. In einer Aussendung nennen sie die kleine Winterlösung "einen Flop" und fordern eine "vernünftige ganzjährige Lösung".

Interessant dürfte das Thema Winteröffnung wohl nach dem Mai 2018 werden. Ab dann gilt in Österreich ein generelles Rauchverbot in Lokalen.