Im ORG Henriettenplatz mussen zehn Schüler im Hernst noch einmal antreten.

© /Katharina Zach

Zentralmatura
06/10/2015

"Hatten Druck und haben zum Nachbarn geschaut"

Nach Schummelei: Die betroffenen Schüler empfanden die Zentralmatura in Mathe als zu schwierig.

von Katharina Zach, Elias Natmessnig

Von Rechtfertigungen bis zum Abstreiten der Vorwürfe reichen die Reaktionen der Schüler nach Bekanntwerden der Schummel-Fälle an zwei Wiener Schulen. Wie berichtet, müssen zwei Klassen des ORG Hegelgasse 14 in der City sowie des ORG Henriettenplatz in Rudolfsheim-Fünfhaus die Mathematik-Matura nachholen. In ersterer Schule sollen die Schüler auf das Handy zurückgegriffen haben.

Gar nicht stolz

"Wir hatten Druck und haben einfach mal zum Nachbarn geschaut", erklärt eine der betroffenen Maturantinnen vom Henriettenplatz beim Lokalaugenschein. Für zehn von 14 Schülern der Klasse ist nun lernen statt feiern angesagt. Stolz sind die Jugendlichen nicht, sie machen jedoch die Zentralmatura verantwortlich. Zu schwer sei sie, zu wenig vorbereitet sei man gewesen. "Leute, die noch nie geschummelt haben, müssen das plötzlich tun", so der Tenor.

Für Daniel und Lucas aus der Parallel-Klasse trotzdem keine Option. "Besser ist es, zu lernen, als zu schummeln, da erspart man sich viel Stress." Dass die Maturanten in der Hegelgasse 14 die Mathe-Prüfungsfragen fotografiert haben und dann mit Nachhilfelehrern korrespondiert haben sollen, können ihre Kollegen nicht glauben. 20 der 21 Schüler müssen zur Nach-Matura. Ein Lehrer soll demonstrativ weggeschaut haben.

"Wie kann geschummelt werden, wenn die Handys abgegeben werden?", fragt sich Tamara aus der 7. Klasse. "Es gibt zudem drei Aufsichtspersonen." Dass ein Lehrer seinen Job riskiert, nur damit eine Klasse die Matura schafft, kann sie nicht nachvollziehen.

Auch Schulsprecher Julien Brandstetter hält fest: " Es stimmt nicht, dass mit Handys geschummelt wurde."Beim Wiener Stadtschulrat will man nun Konsequenzen diskutieren. Eine Einführung des verpflichtenden Vier-Augen-Prinzips, die Aufsicht durch fachfremde Lehrer sei möglich. Mit dem technologischen Fortschritt müsse zudem auch die Schummel-Prävention angepasst werden. Im aktuellen Fall könnten etwa Zweit-Handys im Spiel gewesen sein. Ein mögliches Diszipinarverfahren gegen einen betroffenen Lehrer wird derzeit geprüft. Die Konsequenzen reichen von einer schriftlichen Verwarnung bis hin zum Jobverlust.

Abgesehen von den nun bekannt gewordenen Fällen in Wien und der Manipulation von Arbeiten durch einen Lehrer am Militärgymnasium in Wiener Neustadt, NÖ, dürfte es keine weiteren Unregelmäßigkeiten bei der Zentralmatura gegeben haben.

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