Chronik | Wien
30.11.2016

Audimax-Störaktion: Identitäre wegen Besitzstörung verurteilt

Rechtsradikale Aktivisten hatten eine Aufführung von Jelineks "Schutzbefohlenen" im Audimax der Uni Wien gestürmt.

Zehn Aktivisten der rechtsradikalen "Identitären Bewegung Österreich" sind am Dienstag wegen Besitzstörung verurteilt worden, nachdem sie im April eine Aufführung von Elfriede Jelineks Stück "Die Schutzbefohlenen" durch Flüchtlinge im Audimax der Uni Wien gestürmt hatten. Klägerin war die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) an der Uni Wien, die die Aufführung organisiert hatte.

Laut dem "Endbeschluss" des Bezirksgerichts Innere Stadt müssen die "Identitären" Störungen dieser Art künftig unterlassen. Außerdem wurden sie dazu verurteilt, die Prozesskosten der ÖH von rund 1.400 Euro zu übernehmen.

"Schutzbefohlene performen Jelineks Schutzbefohlene" stand am 14. April vor rund 800 Zuschauern auf dem Programm, dabei fungierten Flüchtlinge als Laiendarsteller. Kurz nach Beginn kaperten 50 Aktivisten die Bühne, entrollten ein Transparent mit der Aufschrift "Heuchler", brüllten Parolen und verschütteten Kunstblut. Die Universitätsprofessorin Sieglinde Rosenberger befand sich im Publikum. "Schauspieler sind davongelaufen, das hat sich mir eingegraben", berichtete sie damals als Zeugin: "Auch ich hatte Angst, weil ich nicht wusste, was da passiert. Als rote Farbe verschüttet wurde, war mein ersten Gedanke: Blut. Ich habe ein Jelinek-Stück erwartet und keine Provokation von schutzlosen Menschen."

Die Erstürmung von Veranstaltungen scheint bei den Identitären Programm zu sein: Eine Gruppe der rechtsextremen Bewegung stürmte am 9. Juni eine Vorlesung an der Universität Klagenfurt. Nach Angaben der Polizei wurde in dem Hörsaal mit Steinen aus Styropor eine Steinigung inszeniert.