Radchenko im Justizpalast: Auslieferung „wäre mein Tod“.

© KURIER/Rainer Eckharter

Chronik Wien
09/30/2014

Mutmaßlicher Mörder bekommt „Galgenfrist“

Der 38-jährige Russe Anatoly Radchenko wird derzeit nicht ausgeliefert.

von Ricardo Peyerl

Gericht lässt Haftbedingungen prüfen, bevor über Auslieferung entschieden wird. Der mutmaßliche russische Auftragsmörder Anatoly Radchenko bekommt – um in seinem Sprachgebrauch zu bleiben – eine „Galgenfrist“. Das Oberlandesgericht Wien (OLG) hat seine Auslieferung von Österreich nach Russland auf Eis gelegt.

Der seit Februar in Wiener Auslieferungshaft sitzende Dr. Anatoly Radchenko bekämpft den Rücktransport in seine Heimat mit Hungerstreik: Ihn den russischen Behörden zu überlassen, „würde meinen Tod bedeuten“, erklärte der 38-Jährige am Dienstag im Justizpalast. Er habe als Regimekritiker Korruption bei der Polizei in Novosibirsk aufgezeigt und solle mundtot gemacht werden.

Die russische Staatsanwaltschaft wirft Radchenko eine Serie von Kapitalverbrechen vor: Als führendes Mitglied der berüchtigten „Trunov-Brigade“ soll er vier Morde und mehrere Anschläge in Auftrag gegeben haben. Einer davon galt vier Männern, die am 13. November 2002 mit Metallstangen und Baseballschlägern attackiert worden sein sollen, was einer nicht überlebt haben soll.

Weitere Erhebungen

Dieses Faktum ist auch im Auslieferungsbegehren enthalten, einem Beschluss der russischen Justiz nach aber bereits seit 2007 eingestellt. Der OLG-Senat unter Vorsitz von Leo Levnaic-Iwanski will von den russischen Behörden Aufklärung. Außerdem soll vor der endgültigen Entscheidung noch über die österreichische Botschaft in Moskau eine Stellungnahme zu den Haft- und Justizbedingungen eingeholt werden.

Laut den Verteidigern des Russen, Liane Hirschbrich und Elmar Kresbach, werden etwa in London keine russischen Staatsbürger mehr in ihre Heimat ausgeliefert, weil eine den Menschenrechten entsprechende Behandlung von Verdächtigen nicht gewährleistet sei. Zwar habe der russische Generalstaatsanwalt der österreichischen Justiz zugesagt, die gesetzlich mögliche Todesstrafe für Radchenko nicht zu beantragen, aber Anwalt Kresbach traut dem Frieden nicht: „Was machen wir, wenn die sich nicht an das Versprechen halten? Marschieren wir dann in Russland ein?“

Radchenko bleibt in Haft, ein neuer Verhandlungstermin steht noch nicht fest.

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