Seit 22 Jahren fährt Feride Saymaz Taxi. Sie wurde zwei Mal überfallen, fährt aber weiter.

© Deutsch Gerhard

Großfahndung
12/07/2013

Mutige Taxlerin, 66, biss Räuber in die Flucht

Trotz Messerangriff und Würgegriff wehrte sich die Frau. Sie biss dem Täter fast die Finger ab.

von Michael Berger

Gott soll bestimmen. Ich komme nur ein Mal auf die Welt und gehe nur ein Mal unter die Erde“, diese profane Lebenseinstellung machte Feride Saymaz, türkisch-stämmige Taxilenkerin aus Wien, zur Heldin.

Denn Freitagabend vertrieb die mutige 66-Jährige einen bewaffneten Taxiräuber. Obwohl der Täter der Taxlerin ein Messer an den Hals hielt und ihr der Mund zugehalten wurde. „Damit ich nicht schreien konnte, steckte mir der Mann seine Finger in den Mund. Als ich eine Chance sah, biss ich mit aller Kraft zu.“

Dunkle Sackgasse

Gegen 19.45 Uhr stieg der Kriminelle an der Kreuzung Pernersdorfergasse/Laxenburger Straße in Wien-Favoriten zu. Er ließ sich zur Adresse Mexikoplatz 24 in Wien-Leopoldstadt fahren. Der Überfall dürfte geplant gewesen sein. Denn der Zielort liegt in einer dunklen Sackgasse. Dort angekommen verlangte die Chauffeurin ihren Fuhrlohn.

Plötzlich spürte sie die Klinge an ihrem Hals und die Hand an ihrem Mund. „Ich fahre immer mit einem Kopftuch. Das könnte mir das Leben gerettet haben. Denn der Stoff befand sich zwischen der Haut und der scharfen Messerklinge“, beschreibt Saymaz die schrecklichen Sekunden.

Nachdem sie den mit einem Kapuzen-Sweater bekleideten Mann gebissen hatte, ließ er kurz von seinem Opfer ab. In dieser Sekunde öffnete die Lenkerin die Wagentüre und rollte sich aus dem Auto auf die Straße. Der völlig überraschte Täter sprang aus dem Fahrzeug und ergriff die Flucht.

Ein Passant sah den Mann noch an ihm vorbeilaufen, wusste aber nicht, dass es sich um einen Taxiräuber handelte. Der Zeuge alarmierte auch die Polizei. Eine Großfahndung verlief ohne Erfolg.

Schon einmal überfallen

Frau Saymaz sitzt seit 22 Jahren hinter dem Volant eines Taxis. „Ich wurde schon einmal überfallen. Damals auf der Reichsbrücke würgte mich der Täter ebenfalls. Ich habe mir gesagt, mich immer zu wehren.“ Der Überfall von Freitag hinterließ bei der Taxlerin Spuren: „Ich zitterte so, dass ich nicht einmal die Polizei anrufen konnte. Und meine Brillen konnte ich in der Aufregung nicht finden. Leider kann ich mich an das Gesicht des Räubers nicht erinnern. Eines aber ist klar: Ich fahre weiterhin Taxi.“

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