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Chronik Wien
05/13/2012

Mutige Sanitäter stoppten Amoklauf

Zuerst attackierte ein 24-Jähriger seine Freundin und zwei Sanitäter. Auf der Straße stach er einer Frau in den Rücken.

von Michael Berger

Ein Routineeinsatz der Wiener Rettung endete Samstagnacht in Wien-Währing mit einem Blutbad.

Denn der in einer Wohnung zu versorgende Patient drehte plötzlich durch, attackierte seine Freundin und die Sanitäter, stürmte von der Wohnung auf die Straße und stach eine völlig unbeteiligte Passantin (53) nieder. Die Frau schwebte Sonntag im AKH – nach einem Lungenstich – noch immer in Lebensgefahr. Die Einsatzkräfte der Rettung verhinderten wahrscheinlich Schlimmeres.

Plötzliche Attacke

Samstagnacht, um 21.30 Uhr, alarmierte die 27-jährige Manuela V. die Rettung. Ihr Lebensgefährte, Johann H. (24) spuckte Blut und klagte über schwere Krämpfe.

Als die Sanitäter in der 40- Quadratmeter-Wohnung in der Messerschmidtgasse ankamen, lag der Patient im Wohnschlafzimmer unter einer Decke. Sofort wollte der 46-jährige Sanitäter Siegfried G. nach ihm sehen. Plötzlich sprang der Kranke aber von dem Schlafsofa auf und attackierte laut brüllend die Helfer und seine Freundin.

"Ich habe ihn noch nie so gesehen. Wir sind zwei Jahre zusammen. Mich hat er an der Lippe getroffen. Johann tobte richtig", beschrieb Manuela V. die Situation.

Um die Situation zu deeskalieren, rannten die beiden Sanis und die Frau aus der Wohnung. Die Freundin flüchtete zu einer Nachbarin, die Helfer liefen zu ihrem Fahrzeug.

Augenblicke später kam der "Patient" aus dem Haus. Er hatte zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich zwei Küchenmesser (20-Zentimeter-Klingen) im Hosenbund eingesteckt. Manuela V. zum KURIER: "Ich hab am Gang noch gehört, wie es in der Küchenlade gescheppert hat."

Der 24-jährige Baggerfahrer ging Richtung Bischof-Faber-Platz. Das beobachteten die Sanis in ihrem Wagen und folgten dem Mann. Er machte laut Rettungssanitäter einen ruhigen Eindruck. Nach etwa 150 Metern Fußweg traf Johann H. auf das ahnungslose Ehepaar Jolanka und Dariusz S. Die beiden machten gerade einen Abendspaziergang im Grätzl.

Messer in Lunge gerammt

Ohne Vorwarnung zückte der Täter ein Messer und rammte es der Frau tief in den Rücken. Ihr Mann stürzte sich sofort auf den 24-jährigen Baggerfahrer. Bei dem lebensgefährlichem Gerangel erlitt er tiefe Schnittwunden an beiden Unterarmen, konnte aber die Oberhand gewinnen.

Die Sanitäter waren mit ihrem Fahrzeug zwar in unmittelbarer Nähe, konnten die Messerattacke aber nicht beobachten. Ein geparkter Lieferwagen versperrte ihnen die Sicht. Als sie die Schreie hörten, sprangen die Sanis aus dem Auto, liefen zu den am Boden kämpfenden Männern und halfen, den Tobenden zu fixieren.

In U-Haft

Zwei, drei Minuten später war die Polizei am Tatort. Denn der Fahrer des Rettungswagens alarmierte die Exekutive bereits, als der Täter auf der Straße gesehen wurde. Der Amokläufer sitzt in U-Haft.

"Der Mann ließ sich verbal nicht beruhigen"

Stefan Sch. (24) ist seit drei Jahren Sanitäter bei der Wiener Rettung. Er schilderte dem KURIER die dramatischen Minuten seines "gefährlichsten Einsatzes".

"Als mein Kollege und ich in die Wohnung kamen – unser Fahrer wartete im Fahrzeug – war der Patient unter einer Decke auf einer Eckcouch versteckt. Mein Kollege sprach ihn an und wollte nach ihm sehen. Plötzlich sprang er auf, schlug um sich und brüllte. Der Mann ließ sich verbal nicht beruhigen. Er tobte dermaßen, dass wir die Frau und uns vorerst einmal in Sicherheit brachten. Mein Kollege hielt die Zimmertüre zu. Danach rannten wir zu unserem Fahrzeug. Wenige Augenblicke später kam der Täter aus dem Haus. Er machte einen gefassten Eindruck. Die Messer konnten wir nicht sehen, aber wir folgten ihm mit dem Rettungswagen. Schon zuvor funkte mein Kollege die Polizei an.

Vom Auto aus konnten wir das Paar nicht erkennen, denn wir beobachteten den flüchtigen Patienten. Plötzlich hörten wir Schreie. Da war klar, dass etwas passiert sein muss. Ein Lieferwagen verstellte uns in dem Moment die Sicht auf den Gehweg. Jetzt sprangen wir aus dem Fahrzeug und sahen die Männer am Boden kämpfen. Zwei von uns stürzten auf den Tobenden und fixierten ihn, ein Kollege versorgte bis zum Eintreffen der Polizei das Opfer."

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