Chronik | Wien
22.02.2018

Mord in Wien: Familie sucht nach Zeugen

Im ersten Verfahren wurde der Verdächtige freigesprochen. Ab 1. März wird neu verhandelt.

"Wenn Sie Igor gekannt hätten", sagt sein Freund. "Er hat niemandem etwas getan, er war sehr humorvoll.": Igor Z. wurde am vergangenen Ostersonntag vor der Blanco Bar in der Jägerstraße in Wien-Brigittenau erschossen. Doch die Beweislage ist verwirrend. In einem ersten Prozess wurde der Verdächtige Shkelzen D. von den Geschworenen frei gesprochen. Die Berufsrichter werteten das als klare Fehlentscheidung und hoben das Urteil auf. Am 1. März wird neu verhandelt.

Verständnislos

Das soll nicht noch einmal passieren, sagt sein Freund (er will anonym bleiben). Deshalb hat er in Absprache mit der Familie einen Zeugenaufruf gestartet: "Jeder Hinweis zur Tat kann hilfreich sein", appelliert er. Denn, so die Befürchtung: "Wenn sich keine neuen Zeugen finden, die ihn als Täter identifizieren, wird er wieder frei gesprochen."

Das erste Urteil hätten Familie und Freunde "schockiert und verständnislos" aufgenommen. Man sei von der Schuld Shkelzen D.’s überzeugt. "Er hat es selbst vor der Polizei zugegeben."

Das Geständnis gab es tatsächlich. Unmittelbar nach der Tat stellte sich der Verdächtige mit den Worten: "Ich habe die Scheiße gerade gemacht in der Jägerstraße." Doch auch daran gibt es Zweifel – Verwandte vermuteten, dass Shkelzen D. jemanden decken wollte.

Schmauchspuren fand man keine an dem Angeklagten. Und das, obwohl eine Kriminaltechnikerin die verwendete Waffe eine "Dreckschleuder" nannte. Auch der Schusskanal sorgte für Irritationen. Er verlief extrem schräg, laut Gerichtsmediziner muss das Opfer am Boden gelegen sein. Doch keiner der befragten Zeugen schildert die Tat entsprechend.

Die Anklage wurde nicht modifiziert, keine weiteren Ermittlungen eingeleitet. Neue Geschworene und neue Richter werden den Fall noch einmal beurteilen. "An der Beweislage hat sich nichts geändert. Also kann es auch kein neues Ergebnis geben", sagen die Anwälte Werner Tomanek und Philipp Wolm.