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Chronik Wien
12/05/2011

Mord an Millionärin vor Klärung

Es war ein Raubmord und kein Sexunfall: Der Tod einer Wiener "Party-Queen" ist für die Kripo geklärt. Der Tatverdächtige wurde in Nizza verhaftet.

Endstation Nizza. Das hieß es Dienstagabend für einen seit Wochen von der Wiener Kripo gesuchten mutmaßlichen Mörder: Französische Zielfahnder legten Anas Z., 26, in einem Café auf der bekannten Promenade der südfranzösischen Stadt die Handschellen an. Er steht im Verdacht, die Winzertochter Elisabeth Wieninger-Forster, 48, erdrosselt zu haben.

Der Mord an der seit dem Verkauf des elterlichen Weinbaubetriebes als wohlhabend geltenden Frau Mitte September hat für Aufsehen gesorgt. Die auch als "Party-Queen" bekannte Frau wurde von ihrem Ex-Lebensgefährten in deren noblen Wohnung in der Wiener City tot aufgefunden: Spärlich bekleidet, an Händen und Füßen gefesselt und offensichtlich mit einem Gürtel erdrosselt.

Spekulationen, es könnte sich um einen "Sexmord", vielleicht tödlichen Unfall bei einem bizarren Sexspiel handeln, wurde von den Ermittlern im Landeskriminalamt (Gruppe Stöcklhuber/Oberst Mimra) bald verworfen. Man ging von einem Raubmord aus: Fehlten doch aus der Wohnung der Frau Schmuck wie Bargeld. Die Art der Fesselung des Opfers hatte nichts mit einem Sexspiel gemein - womöglich wollte der Täter nur eine falsche Fährte legen.

Spur

Dass die Frau ihrem Mörder nicht zufällig in die Arme lief, war bald klar. Erste Hinweise führten zu einem jungen Mann, den Elisabeth Tage vor ihrem Tod in einem ihrer Stammlokale, einer Disco, kennengelernt hatte. Der Tunesier wurde über in ihrer Wohnung sichergestellte Fingerabdrücke identifiziert. Der verdächtige Anas Z. war da längst abgetaucht.

Z. hatte im Sommer 2010, als angeblich staatenloser Palästinenser, in Österreich einen Asylantrag gestellt. Der wurde negativ beschieden. Z., dessen richtige Identität noch offen ist, sollte abgeschoben werden, wurde jedoch zum "U-Boot".

Nach langen Recherchen gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt fanden die Ermittler heraus, dass sich der Gesuchte wieder in Frankreich aufhielt. Wann der Verdächtige ausgeliefert wird, ist offen. Möglicherweise reisen heimische Ermittler zu ersten Einvernahmen nach Frankreich. Denn nur der Verdächtige kann die Frage beantworten, warum er sein Raubopfer auch umbringen musste.

Die Kripo vermutet, dass der Tunesier weitere Frauen in Wien um Geld oder Wertgegenstände gebracht haben könnte (Hinweise unter 31310 / 33 800).