© Jaindl Oliver

Chronik Wien
09/11/2012

Mit 80 Jahren als Mörder vor Gericht

Vor elf Jahren soll er die Ex-Frau erschossen haben, ehe er in den Irak flüchtete. Urteil für den Greis im Rollstuhl: 20 Jahre Haft.

von Ricardo Peyerl

Dass sie aus Angst vor ihrem Ex-Mann untergetaucht war, hat der 49-jährigen Frau nichts genützt. Der 69-jährige Iraker Idris Ali hielt seiner erwachsenen Tochter eine Pistole mit Schalldämpfer an den Kopf und zwang sie, ihm zwei Jahre nach der Scheidung die neue Adresse der Mutter zu verraten.

Die Tochter ging mit ihm in Wien-Favoriten in einen Park in der Nähe des neuen Wohnortes der Mutter und versuchte diese noch zu warnen, als sie dort tatsächlich vorbeikam. Die Tochter stellte sich sogar noch zwischen die Eltern, um die Mutter zu schützen. Da schoss sie der Vater in den Unterarm, bevor er auf seine Ex-Frau zielte und diese mitten auf der Straße mit drei Schüssen in die Brust tötete.

Das war vor elf Jahren. Am Montag wurde ein schwerhöriger Greis von zwei Justizwachebeamten im Rollstuhl in den Verhandlungssaal geschoben: Idris Ali bekam seinen späten Mordprozess, geleitet vom Präsidenten des Wiener Straflandesgerichts, Friedrich Forsthuber, höchstpersönlich.

Der heute 80-jährige Ali war damals geflüchtet. Es gelang ihm, sich in den Irak abzusetzen und dort unter falschem Namen ein neues Leben zu beginnen. Zielfahnder des Bundeskriminalamtes machten ihn im Jänner 2010 ausfindig, doch der Mann kam gegen Kau­tion noch einmal frei. Beim Versuch, sich nach Syrien davonzumachen, wurde er jedoch an der Grenze erwischt. Im Mai dieses Jahres wurde Ali ausgeliefert.

Nur einkaufen

Und was sagt er nun vor Gericht zur Mordanklage? "Ich gehe kaum außer Haus. Wenn, dann gehe ich nur in den Supermarkt einkaufen." Demnach sei er damals am 30. April 2001 gar nicht am Tatort gewesen und habe weder seine Tochter angeschossen, noch seine Ex-Frau erschossen. Die Vorwürfe müssten ein Komplott sein, "das ist gegen mich geplant worden".

Die Tochter freilich bezeugte damals, dass der Vater die Mutter getötet und schon vorher Kontakt zu dieser gesucht habe, weil er nicht allein habe leben können.

Beim Prozess entschlug sich die sichtlich immer noch sehr mitgenommene 38-Jährige der Zeugenaussage und erklärte, sie wolle ihren Vater keinesfalls sehen.

Urteil: 20 Jahre Haft. Der 80-Jährige nahm das Urteil überraschenderweise an - zuvor hatte er darum gebeten, im Fall seiner Verurteilung die Strafe im Irak verbüßen zu dürfen. Da auch die Staatsanwältin mit dem Strafausmaß einverstanden war, ist das Urteil rechtskräftig.

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