Chronik | Wien 04.03.2013

Marihuana-Eigenanbau boomt: Rekordfund in Wien

Cannabis-Plantage mit 4500 Pflanzen ausgehoben – Marktwert über vier Millionen Euro.

Wochenlange Observationen und abgehörte Telefonate führten die Drogenfahnder des Landeskriminalamtes Wien (LKA) zum Erfolg.

Wie Montagfrüh bekannt wurde, konnte bereits am 28. Februar eine der größten Cannabis-Indoorplantagen in der Kriminalgeschichte ausgehoben werden. In einer 200-Quadratmeter-Wohnung in der Schüttelstraße in Wien-Leopoldstadt stießen die Fahnder auf 4500 Marihuana-Pflanzen – professionell eingetopft, mit künstlichen Lichtquellen und Wasserversorgung versehen. Zum Teil waren unter den 4500 Pflanzen noch Setzlinge. „Wäre das Marihuana ausgewachsen und zum Ernten bereit gewesen, würde sich der Straßenverkaufswert auf über vier Millionen Euro belaufen“, rechnet Polizeisprecher Roman Hahslinger vor.

Täter auf freiem Fuß

Drei Täter wurden festgenommen. Doch die Österreicher Rene K. (28), Andreas M. (31) und Markus H. (30) sind wieder auf freiem Fuß. Sie sind unbescholten. Befragt nach ihrem Vertriebsnetz, schweigt sich das Trio aus. Mit diesen enormen Mengen dürften die Männer allerdings Abnehmer in ganz Österreich gehabt haben.

Der Rekordfund belegt eindrucksvoll, dass der Eigenanbau von Marihuana vulgo „Gras“ in Österreich boomt. In Ostösterreich werden jede Woche Cannabis-Plantagen gefunden. Nicht nur in Wohnungen und Häusern, sondern auch auf freiem Feld. In Holland setzen die Behörden sogar Kamera-Drohnen ein, um Drogenfelder zu orten.

Jeder Fünfte hat gekifft

Michael Dressel, Wiens Drogen-Koordinator, spricht von einem Trend: „Cannabisprodukte werden immer beliebter.“ Dressel weiter: „Unter der Gruppe der über 15-Jährigen haben bereits 21 Prozent gekifft. Sechs Prozent der Erwachsenen rauchen Marihuana regelmäßig.“

Dressel räumt mit einem Vorurteil auf: „Nicht jeder, der Gras raucht, landet später in der Opiatszene. Dieser Mythos ist falsch.“ Verharmlosen will der Experte den Eigenanbau aber keineswegs. Denn der THC-Wert (Wirkungsgrad) ist bei der Eigenproduktion oft sehr hoch. Das unterschätzen viele Neueinsteiger.

( Kurier ) Erstellt am 04.03.2013