© KURIER /Franz Gruber

Mariahilfer Straße
03/05/2014

Kritik an "Froschperspektive"

Es wurde zu viel auf Bezirksebene besprochen, meinen Straßenplaner.

von Anna-Maria Bauer

Noch drei Mal schlafen. Dann wird das Schicksal der Mariahilfer Straße bekannt gegeben. Während noch etliche Anrainer des sechsten und siebten Bezirks ihre Fragebögen ausfüllen, stellen Stadtplaner klar: Nur die umliegenden Bewohner zu befragen, war falsch. "Man darf diese Entscheidung nicht aus der Froschperspektive treffen", sagt etwa Stadtgeograf Walter Matznetter.

Stadtforscher und Strategieplaner Gottfried Pirhofer ergänzt: Die Straße hat gesamtstädtische Bedeutung. Sie ist Teil des Wiener Images." Vergangenen Herbst ist Pirhofers Buch "Maria hilf! Eine Straße geht ihren Weg" (Verlag Sonderzahl) erschienen. In dem Buch setzt sich der Stadtplaner mit dem Grätzel rund um die Einkaufsstraße auseinander. Seiner Meinung nach ist das Verkehrsberuhigungsprojekt nicht sinnvoll umgesetzt worden: "Man hätte früher überprüfen müssen, was die Verluste einer Fußgängerzone sind." Für Raumplanerin Sibylla Zech von der TU Wien macht eine Fuzo nur bei hohen Fußgängerfrequenzen Sinn. Und: "Prinzipiell sind einheitliche Lösung sinnvoller."

Fuzo-Gegner

Stadtgeograf Matznetter sieht es radikaler: Er ist gegen eine Fußgängerzone. "Schon zu Zeiten des U-Bahn-Baus in den 1980ern hat es diese Diskussion gegeben." Die Gehsteige sollten so breit wie möglich sein; aber eine Spur für Lieferfahrzeuge erachtet er als sinnvoll: "Damit nicht die gleiche Anarchie herrscht, wie morgens vor 10 Uhr in der Innenstadt."

Laut Matznetter Grund für die Aufregung um die Straße: "Es wurde zu sehr nur auf Bezirksebene besprochen." Man könne in der Verkehrspolitik jedoch nicht einfach bei den Bezirksgrenzen halt machen. Man hat ja gesehen, wozu das bei der Kurzparkregelung geführt hat. In einer mobilen Gesellschaft müssten solche Themen auf eine andere Ebene gehoben werden. Sibylla Zech dazu: "Mobilität wird heute anders organisiert als vor einigen Jahren. Sharing ist das Konzept der Zukunft." Es gibt bereits funktionierende Begegnungszonen in Österreich – vor allem in kleineren Städten: "Die sind anscheinend ein wenig mutiger als Wien."

Am Freitag steht die Zukunft der Mahü fest

Mehr als die Hälfte der knapp 50.000 Stimmberechtigten im 6. und 7. Bezirk haben bereits an der Befragung zur Mariahilfer Straße teilgenommen. Wie das Rathaus am Mittwoch mitteilte, sind bereits über 26.000 Kuverts eingetroffen.

Für noch Unentschlossene gilt: Bis kommenden Freitag (7. März), 10 Uhr, müssen die Stimmzettel beim jeweiligen Magistratischen Bezirksamt eingelangt sein. Wer den Fragebogen per Post retourniert, muss auch den Postweg miteinrechnen. Die 60 regulären Briefkästen in den Bezirken werden letztmalig am 6. März um 16 Uhr entleert, die zusätzlich bei den Infopoints aufgestellten stehen bis 18 Uhr zur Verfügung. Direkt in den Amtshäusern kann man seine Stimme noch bis Freitag, 10 Uhr, abgeben. Danach beginnt die Auszählung. Das Ergebnis wird Freitagabend vorliegen.

Bei einem Nein zur Verkehrsberuhigung wird die Einkaufsstraße in ihren ursprünglichen Zustand zurückgebaut. Bei einem Ja sollen im April die endgültigen Umbauarbeiten (z. B. Pflasterung) starten. Sie dauern voraussichtlich bis Herbst 2015. Wünscht sich die Bevölkerung zusätzliche Querungen, muss vor dem Umbau noch geklärt werden, wo diese eingerichtet werden.

Schon die erste Wiener Fuzo hatte es nicht leicht

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