Bürgermeister Häupl sieht Probleme mit Radfahrerin in der Fuzo. Ob sie verbannt werden, sei aber Sache seiner Grünen-Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou.

© gilbert novy

Mariahilfer Straße
10/15/2013

Häupl gegen Radler in Fuzo

Wiener Bürgermeister bangt um die Sicherheit der Fußgänger.

von Elias Natmessnig

An einem sonnigen Herbsttag, bei bestem Wetter für Radfahrer, hat sich Bürgermeister Michael Häupl (SP) erneut festgelegt: Geht es nach ihm, sollen Radler nicht durch die Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße fahren. Ob sie verbannt werden, diese Entscheidung überlässt er jedoch seiner Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, die am Fuzo-Konzept arbeitet.

„Es kann nicht sein, dass man aus einem Geschäft geht und von einem Radler niedergeführt wird. Das ist zu gefährlich.“ Vorbild für die Mariahilfer Straße sei für ihn daher die Kärntner Straße, betonte Häupl am Dienstag vor Journalisten. Der Bürgermeister schlägt damit in die selbe Kerbe, in die der SPÖ-Klub vergangene Woche geschlagen hatte. Da forderten rote Gemeinderäte ebenfalls ein Fahrverbot für Radler in der Fußgängerzone.

Es gebe Berufsradler, die sich an keinerlei Regeln halten, erklärte Häupl: „Die sind teilweise so schnell, wie wir damals mit den Mopeds waren.“ Allerdings auf der Straße und nicht in einer Fußgängerzone. Häupl: „Mit zunehmendem Radverkehr in Wien müssen wir auch auf mehr Rücksicht hinweisen. Denn es geht immer zulasten der Schwächeren, in diesem Fall sind es die Fußgänger.“

Eine Chance sieht Häupl in der Verkehrserziehung bei Kindern. „Man muss vermitteln, das etwa Ampeln nicht zur Verzierung da hängen und Verkehrszeichen eine Bedeutung haben.“

Busroute

Neben den Radlern gibt es auf der Mariahilfer Straße aber noch weitere Fragen zu klären: Die neue Route für den 13A und die Querungen.

Die Lösung für den 13A sei schwierig, sagte Häupl. Die wahrscheinlichste Route für den Bus ist jene durch die Neubaugasse. Man müsse aber auch die Interessen der Händler in der Neubaugasse anhören. Er erwarte sich trotzdem eine Lösung vor dem Winter: „Ich will den Fahrern nicht zumuten, dass sie dann im Schnee die Route von jetzt fahren.“

Bei den Querungen droht hingegen Widerstand der Bezirkspolitiker. „Ich versuche, einen breiten Konsens zu finden. Das ich nicht die Zustimmung aller politischen Akteure bekommen werde, dessen bin ich mir bewusst“, sagt Häupl.

Befragung

Läuft alles glatt, könnte man im Frühjahr mit den Umbauten beginnen. Davor wird es eine Befragung unter den Bewohnern im sechsten und siebten Bezirk geben. „Die Befragung wird stattfinden, wenn das Projekt fertig ausgearbeitet ist. Damit man klar sagen kann, über was man abstimmt“, sagte Häupl.

Dabei könnte auch über verschiedene Varianten, abgestimmt werden. Auf jeden Fall abgefragt wird, ob die Mariahilfer Straße überhaupt umgebaut werden soll. „Der Ausgang der Befragung wird verbindlich sein“, legt sich Häupl fest.

Zu der Kopfwäsche für seinen Klubchef Rudolf Schicker und Vizebürgermeisterin Vassilakou (Grüne) wollte sich Häupl nicht äußern. „Ja, es hat Vier-Augen-Gespräche gegeben.“ Zum Inhalt der Gespräche sage er nichts: „Vier-Augen-Gespräche bleiben Vier-Augen-Gespräche. Das halte ich immer so.“

Mariahilfer Straße: Teures Pflaster statt Asphalt

Stückchenweise werden immer neue Details zur endgültigen Gestaltung der Fußgängerzone Mariahilfer Straße bekannt: In der gesamten Einkaufsmeile – also auch in den beiden Begegnungszonen – soll der Asphalt durch Pflastersteine ersetzt werden. „Es geht darum, dass der neu gestaltete Raum auch besser sichtbar ist“, erklärt Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne). Vorbild sind bereits bestehende Fußgängerzonen – wie etwa jene in der Kärntner Straße.

Die Entfernung des Asphalts sei von Anfang an geplant gewesen, betont die Vizebürgermeisterin gegenüber dem KURIER. Offen sei derzeit aber noch, welches Material für den neuen Straßenbelag verwendet wird. „Ob Natur- oder Betonsteine verlegt werden, ist noch zu klären.“ Um einzelne Verkehrsflächen optisch besser voneinander zu trennen, könnten aber auch unterschiedliche Materialien zum Einsatz kommen.

Bilder: Die geplanten Neuerungen

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Wie viel die Bepflasterung der Mariahilfer Straße kosten wird, kann Vassilakou derzeit noch nicht sagen. „Für die gesamte Umgestaltung wird jedenfalls ein zweistelliger Millionenbetrag nötig sein“, rechnet sie vor.

Einen groben Vergleichswert bietet die Neu-Bepflasterung der Fußgängerzone Graben/Stock-im-Eisen-Platz/Kärntner Straße vor wenigen Jahren: Sie kostete laut Bezirk 18,6 Mio. Euro.

Zeitplan

Geht es nach Vassilakou, soll jetzt aufs Tempo gedrückt werden und die Umgestaltung „so rasch wie möglich“ beginnen – also idealerweise im Frühjahr. Grund für die Eile sind auch die Erfahrungen aus den ersten zwei Monaten des Probebetriebs: „Weil die Straßen asphaltiert sind, trauen sich die Fußgänger noch nicht von den Gehsteigen herunter.“

Die Umgestaltung werde sicherlich „mehrere Monate“ in Anspruch nehmen. Das bedeutet, dass sich Autofahrer 2014 abermals auf neue Verkehrsregelungen einstellen müssen. „Aber es war immer klar, dass die Mariahilfer Straße in diesem Zeitraum zu einer Baustelle wird“, betont die Vizebürgermeisterin.

Der detaillierte Fahrplan für die nächsten Schritte (Bürgerbefragung, Baustart) soll Ende Oktober vorliegen. Spätestens dann sollte auch die neue Route für die Buslinie 13A feststehen. Während die Wiener Linien am liebsten durch die Neubaugasse fahren würden, werden derzeit auch noch die Varianten Zollergasse und Zieglergasse diskutiert.

Unterdessen hat der Petitionsausschuss empfohlen, die gesamte Bevölkerung des 6. und 7. Bezirks über die Neugestaltung zu befragen. Eine entsprechende Petition war mit ÖVP-Unterstützung eingebracht worden. In dem Text wird allerdings nicht erläutert, was genau abgefragt werden soll.

"Schnapsideen"

Bei der Opposition finden die geplanten Neuerungen auf der Mariahilfer Straße kaum Anklang. "Nach Strandpromenade und künstlichem Bach kommt jetzt mit dem Trampolin für Erwachsene der nächste verhaltensoriginelle Vorschlag von Vizebürgermeisterin Vassilakou", kritisiert ÖVP-Landesparteiobmann Manfred Juraczka. Er vermisst Lösungsvorschläge "für die wirklichen Probleme" in der Mariahilfer Straße sowie einen konkreten Termin für die Befragung der Anrainer zur neuen "MaHü".

"Wer in Mariahilf ein Minus von 4,5 Prozent und in Neubau ein Minus von 3,7 Prozent einfährt, sollte sich in erster Linie mit den eigenen Problemen beschäftigen", entgegnet Georg Prack, Landessprecher der Grünen Wien. Die ÖVP habe das Wahlergebnis wohl nicht richtig verstanden: "Immer nur dagegen sein ist wohl kein erfolgreiches Konzept für die Wahl".

Ähnlich kritisch wie die ÖVP äußerte sich der Klubchef der FPÖ Wien, Johann Gudenus, der von "Schnapsideen" spricht. "Die Anrainer und Kaufleute wissen am besten, was gut für sie ist. Über sie drüberzufahren, wie das Vassilakou konsequent macht und dabei Millionen für ein letztlich untaugliches Flickwerk locker zu machen, ist unverantwortlich".

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