Die Reaktionen auf die Verkehrsberuhigung fallen in den ersten Wochen gemischt aus: Die einen sprechen von Chaos, die anderen freuen sich über weniger Abgase und Autos. "Man ist an der frischen Luft. Es ist kaum Verkehr. Herrlich", sagt Sportlerin Rosa.

© KURIER/Jeff Mangione

Wien
08/29/2013

Liegestütze mitten auf der Mariahilfer Straße

Sportler entdecken einstige Fahrbahn für sich / Gastronomen sehen kaum Probleme.

von Bernhard Ichner, Anna-Maria Bauer

Die Mariahilfer Straße bleibt Gesprächsthema Nummer eins. Doch während sich viele Anrainer und Verkehrsteilnehmer über die Veränderungen ärgern, gibt es auch Gruppen, die Vorteile in der verkehrsberuhigten Zone sehen. Zum Beispiel die Sportler. Sie funktionieren Radständer und Parkbänke zu Turngeräten um und trainieren mitten auf der Straße.

Sieben Uhr Früh vor dem Generali Center: Vier bunte Sportmatten liegen auf der Straße. „Und runter“, kommandiert Trainer Max Walter. Eifrig beginnen die Sportler mit den Liegestützen. Das Aktivzentrum „In-Form“ bietet Fitnesstraining in der neuen Fußgängerzone an.

Vor drei Jahren gründete Sportwissenschaftler Walter Kraus das Gesundheitszentrum „In-Form“ auf der Mariahilfer Straße. „Bis jetzt hat das Outdoor-Training bei uns auf der Terrasse stattgefunden. Jetzt eröffnen sich neue Möglichkeiten“, erzählt der gebürtige Kärntner.

Die neue Regelung sei ein Gewinn an Lebensqualität, meint Kraus. Denn vor allem beim Krafttraining müsse man tief einatmen. „Da will man natürlich keine Abgase in der Lunge haben.“

„Es ist mal was anderes“, findet Trainer Max Walter. „Es sind hier Übungen möglich, die im Studio nicht funktionieren“ – wie längere Sprints oder größere Kraftzirkel. Und dann kommen Gegenstände dazu, die normalerweise nichts mit Sport zu tun haben: Parkbänke, Begrenzungssteher oder Stufen baut der 22-Jährige ins Training ein.

Den Kunden gefällt das Angebot. „Man ist an der frischen Luft. Es ist kaum Verkehr. Herrlich“, sagt Läuferin Rosa.

Wirte bleiben gelassen

Zwischen Begeisterung und Akzeptanz bewegen sich größtenteils die Reaktionen der Gastronomen auf die neue „MaHü“.

„Uns ist kein Schaden entstanden“, sagt etwa Paul Bodner, Chef der „Bar Italia“ in der Mariahilfer Straße 19–21. „Ganz im Gegenteil: Jetzt ist es viel angenehmer: Die Gäste genießen die Ruhe im Schanigarten. Die Autos sind weniger geworden und fahren auch langsamer.“

Recht entspannt sieht die Neuerung auch Elke Ebner vom „Tanzcafé Jenseits“ in der Nelkengasse: „Wir haben zwar noch keine Erfahrungswerte – aber da es bei uns erst am Abend losgeht und die meisten Gäste öffentlich kommen, dürfte sich nicht viel ändern.“ Für Lieferanten sei der Status quo mit allen Ver- und Geboten allerdings „ein Verwirrspiel“.

Es gibt aber auch unter den Gastronomen kritische Stimmen. In den Bortolotti-Eissalons registriert man negative Auswirkungen der „MaHü“-Testphase: „Kunden, die bisher mit dem Auto gekommen sind, um sich Eis für zu Hause mitzunehmen, kommen nicht mehr“, beklagt Geschäftsführer Domenico Grandi. „Und die Begegnungszone funktioniert überhaupt nicht. Niemand traut sich, dort zu gehen.“ Positiv sei zwar, dass die Gäste im Schanigarten mehr Ruhe hätten. „Dennoch überwiegen die Nachteile.“

Was soll sich ändern auf der Mariahilfer Straße?

Zankapfel "MaHü": Keine Stammtisch-Debatte in der Bundeshauptstadt kommt momentan ohne einen Beitrag zur Neugestaltung der Mariahilfer Straße aus. Am neuen Verkehrskonzept scheiden sich die Geister: Zu verwirrend und sogar gefährlich, monieren die einen. Endlich weniger Autos und weniger Lärm, jubeln die anderen. Und die Politik? Die bittet um Verständnis und verspricht Adaptierungen: "Man muss dem Ganzen eine Chance geben", sagte der Bezirksvorsteher von Neubau, Thomas Blimlinger, unlängst im KURIER-Stadtgespräch.

Und Sie? Was würden Sie auf der Mariahilfer Straße verändern? Was gefällt Ihnen am neuen Verkehrskonzept? Was weniger? Schicken Sie uns Ihre Verbesserungsvorschläge per E-Mail an leserreporter@kurier.at und stimmen Sie in der Umfrage für die aus Ihrer Sicht beste Lösung ab.

Die interessantesten Leserbeiträge werden in den nächsten Wochen unter diesem Link veröffentlicht.

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