© Reuters/STEPHEN HIRD

Prozess
06/11/2015

Lidl einigt sich mit Listerien-Opfer

120.000 Euro für den erkrankten Mediziner. Auch die Republik zahlt 150.000 Euro.

von Michaela Reibenwein

Die Sitzreihe der Juristen dünnt sich aus: Am Donnerstag saßen nur noch drei Rechtsanwälte auf der Beklagtenseite im Listerien-Prozess am Landesgericht für Zivilrechtssachen in Wien. Kläger ist Andreas Peilowich. Er aß zum Jahreswechsel 2009/2010 Quargel der Firma Prolactal. Danach lag er drei Monate im Koma. Jetzt sitzt Peilowich, ehemals Mediziner, im Rollstuhl. Das Reden fällt ihm schwer. Er ist ein Pflegefall.

Er klagte auf 2,3 Millionen Euro – unter anderem Prolactal, die beiden ehemaligen Geschäftsführer des Unternehmens, sue Supermarkt-Kette Lidl und die Republik Österreich. Am Donnerstag konnte sich der Rechtsvertreter der Lidl Stiftung aus dem Saal verabschieden. Sie hatten sich mit Peilowich geeinigt: 120.000 Euro lässt sich Lidl den Vergleich kosten.

Eingelenkt

Zuvor hatte auch schon die Republik Österreich (im Namen der AGES – der staatlichen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) eingelenkt und 150.000 Euro überwiesen.

Prolactal, die Herstellerfirma des Quargels, bleibt hart. "Der Fall ist bedauernswert. Aber zeitgleich ist damals auch ein anderer Bakterienstamm festgestellt worden", sagt Anwalt Oliver Plöckinger. "Wir waren’s nicht."

"Man wusste schon ein halbes Jahr vor der Erkrankung von Andreas Peilowich, dass es ein Listerien-Problem gab", sagt sein Anwalt Alexander Klauser. "Sowohl eigene Untersuchungen von Prolactal als auch Untersuchungen von Großabnehmer Lidl Deutschland haben das ergeben." Doch weder die Gesundheitsbehörden noch die Öffentlichkeit seien informiert worden.

Falsche Diagnose

Als Peilowich erkrankte, tippten die Ärzte im Krankenhaus Hietzing auf einen Schlaganfall. "Sie haben die Symptome nicht hinterfragt. Somit wurde er nicht richtig behandelt", wirft Klauser den Ärzten vor. Zudem wurde eine Probe der Rückenmark-Flüssigkeit entsorgt. Und somit auch der eindeutige Beweis, dass es sich um den Listerien-Stamm von Prolactal gehandelt hat.

Insgesamt waren damals 30 Menschen in Österreich und Deutschland an Listeriose erkrankt. Der Prozess wird fortgesetzt.

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