Chronik | Wien 10.03.2013

Vermisster Arzt lag tot im Wald

Der vermisste Mediziner, 41, wurde nicht ermordet - er wählte den Freitod. Spaziergänger fanden die Leiche.

Er hat sich medizinisch, professionell und ohne Schmerzen zu haben, das Leben genommen. Ich bin bestürzt. Sein Leichnam hätte allerdings früher gefunden werden können“, erklärt Sebastian W., der Bruder des seit 28. Dezember 2012 als vermisst gemeldeten Mediziners Matthäus W., im KURIER-Telefonat.

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© Bild: Irina Salewski

Das Rätsel um den seit Ende Dezember in Wien verschwundenen 41-Jährigen, um den es Mord- und Entführungstheorien gab, ist seit Sonntagmittag geklärt. Geschockte Spaziergänger stolperten beinahe über die verweste, aber bekleidete Leiche in einem Waldstück am Cobenzl, oberhalb Grinzings. Der Fundort lag knapp 300 Meter von der Wiener Höhenstraße entfernt. Zu diesem Zeitpunkt tummelten sich Hunderte Ausflügler in dem Naherholungsgebiet. Laut Polizei wies die Leiche keinerlei Gewalteinwirkungen auf.

Erste Spekulationen, dass es sich bei dem Leichnam um den verschwundenen Mediziner Matthäus W. handeln könnte, wurden am Abend zur Gewissheit. Denn der Verwesungsgrad und die Körpergröße passten auf den 41-Jährigen.

Obduktion angeordnet

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© Bild: KURIER Grafik

Am Fundort selbst sperrte die Tatortgruppe ein größeres Waldareal ab. Denn Spuren und Hinweise – in Richtung Gewaltverbrechen oder Selbstmord – mussten gesichert werden. Die Leiche wurde erst in den Abendstunden abtransportiert. Zu diesem Zeitpunkt stand mit hoher Sicherheit fest, dass der Mann den Freitod gewählt hatte. Eine Obduktion soll letzte Zweifel beseitigen.

Der Fall des Arztes aus dem Rudolfiner Haus sorgte für Schlagzeilen. Denn seit dem 28. Dezember war Matthäus W. wie vom Erdboden verschluckt. Ein Zeuge sah den Mediziner kurz nach 17 Uhr in der Nähe des Karl-Marx-Hofes. Um 16 Uhr hatte er das letzte Mal Kontakt mit einem Familienmitglied. Eine nach Wochen von der Staatsanwaltschaft Wien angeordnete Rufnummern-Auswertung seines Handys ergab, dass W. noch am Tag des Verschwindens um 17 Uhr seine Mailbox abgerufen hatte.

Kein Abschiedsbrief

Vorerst galt für die Kriminalisten die Selbstmord-Theorie als eher unwahrscheinlich. Denn weder wurde ein Abschiedsbrief gefunden, noch gab es Hinweise auf einen tatsächlichen Freitod. Allerdings stand der Pkw des Arztes vor seinem Wohnort, sein Reisepass war zu Hause.

Gegen einen Selbstmord sprach zunächst, dass Matthäus W. Opernkarten bestellt hatte, und eine Reise nach New York geplant war. Erst durch die Interventionen seines Bruders Sebastian W. wurden Details über das Leben des Abgängigen bekannt. Er soll oft an einen beruflichen Ausstieg gedacht haben, der Stress im Job war extrem belastend.

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( Kurier ) Erstellt am 10.03.2013