Daniil Lyrenko und seine Frau Anna (li.) sind von Wien begeistert. Aber: „Hier (also zum Beispiel im Meinl am Graben) sind doch überall Russen“, sagt der russische Tourist.

© KURIER/Franz Gruber

Wien
01/07/2015

"Langfristig brauchen wir den russischen Gast"

Deutsche, Amerikaner und Italiener glichen Minus aus. Auf Dauer wird das nicht reichen.

von Anna-Maria Bauer

Die Russen bleiben aus", klagt der Tourismus seit Monaten. Im Vergleich zum Vorjahr kamen in Wien zwischen Jänner und November 13 Prozent weniger russische Gäste. Grund dafür ist die wirtschaftliche Lage und der schwache Rubel, der dem russischen Gast den Urlaub in Österreich heuer fast doppelt so teuer macht wie im Vorjahr (Der Wechselkurs liegt bei rund 70 Rubel für einen Euro, im Frühjahr 2013 waren es knapp 40).

Bei einem Lokalaugenschein in der Wiener Innenstadt scheint der Rückgang der russischen Gäste jedoch nicht so dramatisch. "Die Russen bleiben also aus?" Darüber kann Daniil Lysenko, selbst russischer Tourist, nur lachen. "Es sind doch überall Russen." Als er letztens im Meinl am Graben war, sagte er "Entschuldigung" öfter auf Russisch als auf Englisch.

In Mode

Ähnlich sieht das Natalia Kouznetsova Mit ihrer Boutique "Edition K" hat sie sich auf Designerkleidung, wie die Black Edition von Ralph Lauren spezialisiert. Dass ein Großteil ihrer Kunden wohl Russen sind, erahnt man schon an der russischen Vogue, die zum Durchblättern bereit liegt. "Das vergangene Jahr war ein wenig schwächer, aber seit einem Monat, wird es eigentlich wieder besser", sagt Kouznetsova. Im Shop der britischen Edelmarke Mulberry spricht Store Managerin Norma Medrano sogar einen Anstieg an russischen und ukrainischen Kunden. Geld scheint für diese Klientel keine Rolle zu spielen. "Was jedoch eine große Rolle spielt, ist die Stimmung", sagt Nathalya Holzmüller, Organisatorin des Russischen Balls in der Wiener Hofburg. Heuer war die Veranstaltung schwieriger zu organisieren. Eigentlich würden Russen ja gerne nach Wien kommen, aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Lage fühlen sie sich aber nicht willkommen. "Um das zu ändern, sind Veranstaltungen wie der Ball so wichtig."

Minus bei Luxushotels

In der Wiener Hotel-Branche konnte das Ausbleiben der Russen zwar durch Amerikaner (14 Prozent mehr als im Vorjahr) und Italiener (12 Prozent mehr) und Deutsche (plus 5 Prozent) ausgeglichen werden. Josef Bitzinger, Tourismusobmann in der Wiener Wirtschaftskammer, muss jedoch zugeben: "Langfristig brauchen wir den russischen Gast."

Zum einen in der Drei- und Vier-Sterne-Kategorie, wo in den vergangenen Jahren immer mehr auf Gäste aus Russland gesetzt wurde. Vor allem aber in der Luxusbranche. Es ist die einzige Sparte, die ein Minus zu verzeichnen hatte. Aufgrund der vielen Betten, die hier dazugekommen sind, zählt jeder Gast. Um am Markt überleben zu können, braucht es also besondere Angebote. Das Park Hyatt bietet einen Trägerservice für das nahe gelegene Goldenen Quartier. Somit können Gäste shoppen, ohne dass ihnen die Arme von den Einkaufstaschen schmerzen. Im Sacher wird es eine Mitarbeiterakademie geben, um die Servicequalität zu verfeinern und im Imperial hat man das Butler- und Concierge-Angebot verstärkt.

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