Krankenhaus Nord, Visualisierung Jänner 2012

© Architekturbüro Albert Wimmer

Floridsdorf
09/17/2013

Krankenhaus Nord: Kritik an hohen Kosten reißt nicht ab

Das neue Spital ist teurer als ähnlich große Häuser. Das hat gute Gründe, betont der Betreiber.

von Josef Gebhard

Es ist das Kernstück der laufenden Wiener Spitalsreform: In zwei Jahren soll das Krankenhaus Nord in Floridsdorf in Teilbetrieb gehen. Auf 51.000 m² entsteht gerade eines der modernsten Spitäler Europas, in dem jährlich 46.000 Patienten stationär versorgt werden sollen.

Zuletzt stellte der prominente AKH-Gynäkologe Peter Husslein den Sinn des Großprojekts massiv in Frage: In Floridsdorf entstehe ein teures Prestigeprojekt, während das AKH abgewirtschaftet werde (der KURIER berichtete).

Tatsächlich geht es um enorme Summen: 825 Millionen Euro wird das 785-Betten-Haus in Floridsdorf kosten. Das ist deutlich teurer als ähnlich große Krankenhäuser, die in den vergangenen Jahren in Österreich errichtet wurden: So kostete das 2010 eröffnete Klinikum Klagenfurt (insgesamt 1400 Betten) 314 Millionen Euro. Für das LKH Vöcklabruck (561 Betten, eröffnet 2004) standen knapp 269 Mio. Euro zu Buche. Und beim geplanten neuen Krankenhaus Wiener Neustadt (944 Betten) geht man derzeit – zumindest offiziell – von 400 Mio. Euro Errichtungskosten aus.

Skepsis

Der Wiener Rathaus-Opposition kommen diese gravierenden Kosten-Unterschiede merkwürdig vor: „Natürlich sind wir für ein modernes Spital in Floridsdorf“, sagt FPÖ-Gesundheitssprecher Peter Frigo. „Ob diese hohen Kosten gerechtfertigt sind, ist aber schon zu hinterfragen.“ Es sei nicht auszuschließen, dass beim KH Nord einmal mehr Geld beim Fenster hinausgeworfen werde.

Hier würden Äpfel mit Birnen verglichen, versucht man beim Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) diese Vorwürfe zu zerstreuen. So werde das KH Nord intensivmedizinische Schwerpunkt-Zentren beherbergen, die bereits in der Errichtung sehr kostenintensiv seien, betont eine Sprecherin. Etwa die geplanten Einheiten für Herz- und Thorax-Chirurgie. Hinzu komme ein relativ großer Sonderpflege-Bereich, in dem unter anderem Psychiatrie-Patienten versorgt werden sollen.

Anders als etwa in Klagenfurt habe man das Grundstück für das Spital erst zukaufen müssen. Kosten: Ca. 50 Mio. Euro. Hinzu komme noch die nötige Erschließung des ehemaligen Industrie-Areals.

Zudem gebe es im Spital Einrichtungen, die weit über dessen Kernfunktion hinausgehen: Etwa ein Simulationszentrum, in dem Ärzte aus dem gesamten KAV Operationen trainieren können. Oder eine Rettungsstation, von der künftig der ganze Bezirk profitieren werde.

Wären die Kosten zu hoch angesetzt, hätte es eine Beanstandung des Kontrollamts gegeben, das das KH Nord unter die Lupe genommen hat, argumentiert man beim KAV. Dies habe auch die Europäische Investitionsbank getan, die für das Projekt 300 Mio. Euro vergeben hat. Von Verteuerungen sei derzeit nicht auszugehen: „Wir liegen im Kostenplan.“

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