Chronik | Wien
03.03.2018

Kostenfalle Handy: 60 Euro für Einschalten nach Landung

Fall für Staatsanwalt: Whatsapp-Nachricht ließ Kasse klingeln, Wiener Pensionist erstattet Anzeige wegen Sachwucher.

Böse Überraschung in Dubai, noch ehe der Urlaub begonnen hat: Ein Wiener Ehepaar, 75 und 70 Jahre alt, schaltet nach der Landung die Handys ein, um den lieben Daheimgebliebenen die gute Ankunft zu signalisieren. Noch ehe das erste SMS getippt ist, treffen Nachrichten von der Telekom ein, dass jeweils 60 Euro für die Übermittlung von Daten aufgelaufen sind. Anschließend kommt die übliche Willkommens-Botschaft mit den Preisen für Telefonieren und Surfen in dieser Daten-Region.

Des Rätsels Lösung: Das Wiener Ehepaar hat – noch bevor es das Daten-Roaming beim Handy lahmlegen konnte – über Whatsapp Nachrichten aus der Heimat empfangen. A1 verlangt 1,99 Euro pro 100 Kilobyte übertragener Daten, das sind hochgerechnet knapp 20.000 Euro pro Gigabyte.

Ein stolzer Preis. Prepaid-Verträge mit einem Gigabyte Datenvolumen bekommt man in Dubai schon für 11 Euro. Und eine Prepaid-Karte vom lokalen Anbieter Etisalat kann man für umgerechnet 25 Euro kaufen, bis zu einem Gigabyte Datenvolumen stehen hier zur Verfügung.

Der 75-jährige Wiener empfindet die zweitausendfach höhere Kostenvorschreibung der Telekom als Abzocke und erstattet bei der Staatsanwaltschaft Wien Anzeige wegen Sachwucher. Strafrechtler räumen wenig Chancen ein, und es ist nicht anzunehmen, dass der Fall tatsächlich vor dem Strafrichter landet. Aber zivilrechtlich könnte schon eine Irreführung der Kunden zu debattieren sein.

Denn die Beschwerden häufen sich. Ältere Personen finden sich mit der Funktion des (womöglich unbemerkt aktivierten) Daten-Roamings nicht so leicht zurecht. Aber sogar der Wirtschaftssprecher der Grünen, Volker Plass, beklagt sich auf Facebook: Er habe sein Handy in der Ukraine eingeschaltet und ein MMS mit Fotos aus Wien bekommen, das ergab eine A 1-Rechnung von 100 Euro.

Deaktivieren

Livia Dandrea-Böhm, Pressesprecherin von A1 Telekom, teilt dem KURIER mit, dass "im Ausland außerhalb der EU tatsächlich hohe Kosten entstehen" können. Sie rät, das Daten-Roaming auf dem Handy schon vor Reiseantritt zu deaktivieren oder ganz sperren zu lassen bzw. passende A1 Roaming-Pakete zu bestellen.

Außerdem gibt es auch in Dubai eine Kostenlimitsperre ab 60 Euro. Bis diese greift, können je nach Größe einer Familie aber schon ein paar hundert Euro futsch sein.