Chronik | Wien
19.01.2017

Kompetenzstreit um Ermittlungen im Fall Aliyev

Der Ex-Botschafter starb in der Zelle. Die Gutachten sind weiter ausständig.

Fünf Wochen, nachdem die Anwälte der Witwe von Rakhat Aliyev eine Wiederaufnahme der Ermittlungen rund um das Ableben des kasachischen Ex-Botschafters in Wien verlangt haben, steht die Todesursache nach wie vor nicht fest. Dafür ist ein Kompetenzstreit entbrannt, wer bei der Untersuchung wofür zuständig war.

Aliyev wurde am 24. Februar 2015 tot in seiner Einzelzelle in der Justizanstalt Wien-Josefstadt aufgefunden. Die Justiz ging von Suizid durch Erhängen aus, nachdem sowohl der Wiener Gerichtsmediziner Daniele Risser in seinem Obduktionsbefund als auch das Rechtsmedizinische Institut in St. Gallen keine Hinweise auf Fremdverschulden fanden. Der von den Anwälten Ainedter beigezogene Deutsche Gerichtsmediziner Bernd Brinkmann kam in seinem Privatgutachten allerdings zum Schluss, dass Aliyev von fremder Hand getötet wurde. Der Experte schließt das aus punktförmigen Blutungen unterhalb der Strangmarke. Die Staatsanwaltschaft Wien übermittelte das Brinkmann-Gutachten vor Weihnachten nach St. Gallen und forderte ein Ergänzungsgutachten an.

Unterdessen dürfte feststehen, weshalb der Schweizer Sachverständige Roland Hausmann bei seiner ursprünglichen Begutachtung ohne eine umfangreiche Fotodokumentation vom Auffindungsort der Leiche und der Leichenöffnung auskommen musste. Das ist insofern bedeutsam, als auf den Bildern die für Brinkmann verdächtigen Blutspuren am Hals Aliyevs ersichtlich sein müssten. Gerichtsmediziner Risser hatte die Fotos nicht in die Schweiz geschickt, sondern sich auf die Anklagebehörde verlassen. Die Staatsanwaltschaft wiederum schiebt den Schwarzen Peter dem Schweizer Sachverständigen zu, der die Fotos nicht ausdrücklich angefordert hat. Man lässt anfragen, ob es Gründe gab, die die Beischaffung der Fotos entbehrlich scheinen ließen...