Das Bomben, Morden und Sterben soll in Syrien mit heute, Samstag, ab Mitternacht gestoppt werden. Der von den USA und Russland ausverhandelte Waffenstillstand wird von der syrisch-orthodoxen, christlichen Community in
Österreich natürlich begrüßt. Auf die Frage ob die Waffenruhe halten wird, reagieren die in
Österreich lebenden, 4000 christlichen Syrer jedoch skeptisch.
Bei dem Gespräch mit Pfarrer Toma Alexi Kassibrahim in der syrisch-orthodoxen Kirche auf dem Leopoldauer Platz in Floridsdorf werden die tiefen Wunden des Krieges offensichtlich. Der Geistliche wurde vor zwei Jahren von der Erzdiözese Wien mit seiner Frau (orthodoxe Priester müssen verheiratet sein) und den Söhnen aufgenommen: "Ein Pfeiler des Christentums ist die Hoffnung. Friede ist unser größter Wunsch. Aber viele von uns flüchteten, um ihr nacktes Leben zu retten. Es gibt auch hier in Österreich Hunderte Witwen und Kinder ohne Väter." Nachsatz in der Pfarrgemeinde: "Der radikale Islam und das
Assad-Regime wollten uns auslöschen. Es gibt noch viele orthodoxe Christen in
Syrien. Der Waffenstillstand ist ein Versuch, aber keine Lösung."
Die Angst sitzt noch so tief, dass selbst bei einem dauerhaften
Frieden, viele nicht zurückkehren würden. Israil Günel, Sprecher der Gemeinde in
Floridsdorf, erklärt: "Mein Traum wäre es, nach
Syrien in meine Heimatstadt zurückzukehren. Es lebt ja auch unser kirchlicher Führer, der Patriarch, in
Damaskus. Meine Kinder, die hier bereits einen Job haben und zum Teil studieren, würden mir nicht folgen. Sie sehen in ihrer früheren Heimat keine Zukunft."
Wie sehr sich syrische Flüchtlinge in
Wien etabliert haben, zeigt, dass in
Floridsdorf eine neue Kirche mit Kindergarten errichtet wird. Die Baubewilligungen sind erteilt, finanziert wird das Projekt aus internationalen Spenden. "Es ist die erste in
Österreich gebaute syrische Kirche", sagt
Siham Islek, Vize-Obfrau der Pfarrgemeinde nicht ohne Stolz. Zurzeit werden die Messen in einem improvisierten Saal gefeiert. Jeden Sonntag ist der Beetsaal mit etwa 400 Sitzplätzen bestens besucht.
Aus
Aleppo vertrieben Ebenfalls vor zwei Jahren kam die Familie Azrak mit zwei Kindern – über die damaligen Kontingente des Innenministeriums – nach
Wien. Der Vater besaß in
Aleppo eine Kleiderfabrik. Tochter Ranim, sie studiert in
Wien seit zwei Semestern Chemie, lässt den Albtraum vor zwei Jahren Revue passieren: "
IS-Terroristen stürmten unsere Fabrik. Nur die Flucht rettete unsere Leben." An einen schnellen, dauerhaften
Frieden glauben die Azraks nicht. Da die Familie in
Syrien zur Oberschicht zählte, will man wieder in die Heimat zurück: "Aber erst, wenn dauerhafter
Frieden besteht. Dieser Wunsch dürfte jedoch erst in Jahren in Erfüllung gehen."
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