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Tourismus
07/23/2015

Kaufkraft: Chinesen lösen die Russen ab

Chinesische Urlauber lassen mittlerweile das meiste Geld in Wien.

von Anna-Maria Bauer

Ziffernblatt", "echter Stein" oder "Punschkrapfen" sind Vokabel, die im kompakten Deutsch-Chinesisch-Reisewörterbuch selten zu finden sind. Für den Besuch beim Juwelier oder bei Aida wäre die Kenntnis dieser Begriffe aber durchaus praktisch. Um chinesischen Touristen den Weg zum oder den Aufenthalt im Geschäft zu erleichtern, kreierte der Brentano-Verlag nun den sogenannten "Einkaufskompass".

Chinesische Mitarbeiter in Juweliergeschäften oder Luxushotels sind bereits Usus. Nun reagieren auch andere Unternehmer auf diese Kundengruppe. Denn auf dem Ranking der Besuchernationen in Wien kommen die Chinesen zwar nur auf Platz elf, beim Shoppen stellt diese Gästegruppe seit heuer aber die stärkste ausländische Kaufkraft in Wien dar. Laut Umsatzsteuer-Rückerstatter Global Blue machen die chinesischen Einkäufe ein Viertel des ausländischen Umsatzes aus – und verdrängen die Russen auf Rang zwei.

Markenartikel

Der Brentano-Verlag scheint mit seinem Kompass jedenfalls eine Marktlücke getroffen zu haben: 25.000 Stück des kostenlosen Reiseführers wurden bereits verteilt; im Oktober folgt die Neuauflage. Neben dem Wörterbuch mit Wien- und Shopping-spezifischem Vokabular finden chinesische Touristen auch Veranstaltungstipps und Wegweiser zu ausgewählten Boutiquen. Denn, so weiß das Team beim Brentano Verlag: "Chinesen, die Geld für eine Europareise haben, stammen meist aus der kaufkräftigen Oberschicht und kaufen in Wien gerne Geschenke für die Familie, am liebsten teure Markenartikel. "

Das kann Philipp Pelz, Geschäftsführer des Juweliers Wempe in der Kärntner Straße, bestätigen. Vor allem bei Uhren, aber auch bei Schmuck gehe es chinesischen Kunden oft weniger um das Modell und mehr um die Marke.

Im Kaufhaus Steffl, ein paar Meter weiter auf der Kärntner Straße, bemerkt man seit Jahren einen sukzessiven Anstieg asiatischer Touristen: "Erstmals erleben wir in diesem Sommer zudem eine drastische Zunahme von individuell reisenden Asiaten", heißt es aus der Geschäftsführung. Besonders gefragt sind im Steffl Sonnenbrillen und Taschen von Luxus-Marken sowie exklusive Schweizer Uhren.

Marketing

Auch bei Wien Tourismus setzt man entsprechende Schwerpunkte: Die chinesische Wien-Website wird optisch erneuert. Zudem werden drei bekannte Blogger, die in China eine besonders hohe Reichweite haben, im Oktober nach Wien eingeladen. Und für einen spektakulären Marketingauftritt in Peking wird gerade ein neues Format erarbeitet. Klassische Musik soll dabei im Mittelpunkt stehen.

6,3 Millionen Nächtigungen: Tourismus feiert Rekordzahlen

Steigende Nächtigungszahlen und bessere Auslastung in allen Hotelkategorien – und das, obwohl in Wien im Vergleich zum Vorjahr 3700 Betten mehr zu füllen sind. Tourismusdirektor Norbert Kettner zeigte sich am Mittwoch mit der Entwicklung in der Stadt sehr zufrieden.

Insgesamt nächtigten im ersten Halbjahr 5,4 Prozent mehr Touristen in Wien als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Selbst bei Gästen aus Griechenland konnte ein Plus von einem Prozent verzeichnet werden. Bei einigen Touristengruppen gab es aber auch Verluste: So kommen immer noch ein Drittel weniger Russen nach Wien und Kettner sieht hier „noch kein Licht am Ende des Tunnels“.

Äußerst positiv äußerte sich Kettner über die gestrige Weltpremiere von „Mission Impossible“. Denn Film- und Fernsehbilder seien relevant bei Reiseentscheidungen. Ein neues Filmprojekt wurde bereits fixiert: Ab September dreht Bollywood-Regisseur Karan Johar seinen nächsten Film in Wien.