Karas als Wiener VP-Chef im Gespräch

Die gebeutelte Stadtpartei sucht einen neuen Obmann. Othmar Karas, derzeit ÖVP-Delegationsleiter in Brüssel, signalisiert Interesse.

Seit dem Abgang von Christine Marek ist die Wiener ÖVP auf der Suche nach einem neuen Chef. Gabriele Tamandl hat nur interimistisch übernommen. Wieder einmal im Gespräch für den Posten ist Othmar Karas (53), derzeit ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament. Gegenüber dem Standard bestätigte Karas, dass er von Tamandl und der Wiener Wirtschaftskammerchefin Brigitte Jank gefragt worden sei.

Karas stellt aber Bedingungen: So soll er volles Durchgriffsrecht bei der Personalauswahl und eine Funktion in der Stadtregierung - also den Posten des nicht amtsführenden Stadtrates - oder sogar in der Bundesregierung verlangen. Außerdem wolle er eine radikale Öffnung der Partei samt der Möglichkeit einer Direktmitgliedschaft nur in Wien und ein Bekenntnis zu einem modernen Pro-Europakurs.

Vorzugsstimmen-Kaiser

Karas zeigte sich gegenüber dem Standard überzeugt, der Wiener Partei neue Perspektiven eröffnen zu können: "Ich habe in Wien bei den EU-Wahlen die Hälfte meiner Vorzugsstimmen bekommen", verweist er auf die Wahl 2009. Damals versuchte er, mittels Vorzugsstimmen - von denen er österreichweit auch mehr als 100.000 einfuhr - den Posten des Delegationsleiters zu ergattern. Den bekam aber zunächst Spitzenkandidat Ernst Strasser; erst nach dessen Rücktritt wegen der Korruptionsaffäre im März wurde Karas Chef der VP-EU-Delegation. Sollte er Wiener Parteichef werden, würde er sein EU-Mandat aufgeben.

Karas war bereits als Kandidat für die Nachfolge von Johannes Hahn - als dieser in die EU-Kommission wechselte - genannt worden. Damals bekam aber Marek den Posten. Die Nachfolge-Frage in der gebeutelten Stadtpartei soll bis Jahresende geklärt werden.

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