Chronik | Wien 05.12.2011

Kampf um Glühbirnen in Gemeindebauten

© Bild: AP/Thomas Kienzle

Die Stadt Wien will kleine Reparaturen im Gemeindebau bald selbst beheben. Unternehmer bangen um Aufträge und Jobs.

Das könnte kleinen Firmen wie meiner das Genick brechen", sagt ein Elektriker, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Schließlich geht es um viel Geld und um einen wichtigen Geschäftspartner, den man nur ungern verärgern möchte: Wiener Wohnen.

Knapp 500.000 Wiener leben in den Wohnungen der Gemeinde. Es sind Wohnungen, in denen, wie in anderen auch, tagtäglich kleinere Reparaturen anstehen - Heizungen müssen geflickt, Glühbirnen gewechselt und Fassaden ausgebessert werden. Arbeiten, die Unternehmern bisher gutes Geld verhießen. Doch das könnte sich nun ändern. Denn mit 1. September plant die städtische Hausverwaltung, in mehreren Bezirken bei kleineren Gebrechen (Schadenssumme bis zu 1000 Euro) nicht mehr die Partnerfirmen, sogenannte Kontrahenten, mit der Reparatur zu beauftragen, sondern direkt die Wiener Hausbetreuungs GmbH, die ebenfalls im Eigentum der Stadt steht. Das Geschäft soll künftig intern vergeben werden - trotz aufrechter Verträge.

"Das ist Wahnsinn", sagt der Elektriker. "Hier geht es um zirka 20 Prozent meines Jahresumsatzes." Knapp 400 anderen Elektrikern, Installateuren, Dachdeckern und Baumeistern würde ein ähnliches Schicksal drohen, glaubt er. Sie alle kooperieren mit Wiener Wohnen.

"Künftig sollen ausgerechnet nicht dazu berufene Mitarbeiter im Callcenter anhand einer Liste entscheiden, ob ein Elektriker den Auftrag erhält oder die stadtnahe Unternehmung", ärgert sich Isabella Leeb, Gemeinderätin der Wiener ÖVP. "Gewerbetreibenden entsteht so ein Millionenschaden. Arbeitsplätze werden gefährdet." Mehrere Betroffene würden bereits überlegen, gerichtlich gegen die Pläne vorzugehen. Noch dazu, weil der Gemeinde bis vor Kurzem die für Installationsarbeiten notwendige Konzession gefehlt hat.

Alles seine Richtigkeit

Im Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SP) lässt man die Kritik nicht gelten. Die Konzession habe man sich besorgt und das Auftragsvolumen betrage bestenfalls drei und keine 20 Prozent. "Bei 380.000 Aufträgen, die Wiener Wohnen jedes Jahr vergibt, bleibt sicher genug für Private übrig", sagt ein Sprecher Ludwigs. "Ein Pilotprojekt im 23. Bezirk hat aber gezeigt, dass wir so rascher und günstiger im Sinne der Mieter arbeiten können." Wie günstig und wie rasch man war, kann man auf Nachfrage aber nicht sagen.

Fix ist: Ab 1. September gilt der neue Vergabemodus in den Bezirken 10 bis 12, in Ottakring und in Liesing. "Außerdem können mit der Maßnahme auch neue Arbeitsplätze bei der Hausbetreuungs GmbH geschaffen werden", zeigt sich Ludwigs Sprecher zuversichtlich.
Dass diese Arbeitsplätze im privaten Bereich fehlen könnten, ist eine andere Geschichte.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011