Eva Trimmel hat die Auswirkungen auf ihr Posting unterschätzt.

© /Julia Schrenk

Fett und Zucker
04/26/2016

Kaffeehaus-Inhaberin wegen Anti-FPÖ-Tafel bedroht

Eva Trimmel hat die Tafel gelöscht und bereut ihr Facebook-Posting.

von Julia Schrenk

Das Café Fett und Zucker war am Dienstagnachmittag bis auf den letzten Platz gefüllt. Stammgäste sind gekommen, um sich mit Eva-Maria Trimmel zu solidarisieren. Aber auch Neukunden sind da, die noch nie zuvor im Kaffeehaus in der Hollandstraße in Wien-Leopoldstadt waren und nun extra wegen Eva Trimmels Facebook-Posting gekommen sind. Doch die Tafel mit dem Anti-FPÖ-Schriftzug war am Dienstag leer. Trimmel hat sie gelöscht. "Ich hätte das nicht schreiben sollen", sagt sie.

Wie berichtet,machte die 41-jährige Café-Inhaberin ihrem Ärger über das starke Wahlergebnis von FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer Luft. Sie stellte eine Tafel vor ihr Lokal und bat FPÖ-Wähler, weiter zu gehen. Rechte seien in ihrem Kaffeehaus, das sie als feministisch und antirassistisch ausgelegt hat, nicht willkommen. Ein entsprechendes Foto postete sie auf die Facebook-Seite ihres Kaffeehauses.(Anmerkung: Die Facebook-Seite von "Fett und Zucker" wurde in der Zwischenzeit deaktiviert.)
Die Empörung im Internet war enorm. Kritiker zogen Vergleiche mit der NS-Zeit. Reinhard H. etwa schrieb: "Erinnert mich an Nazi-Propaganda. ‘Wenn du Jude bist, geh weiter, wir wollen dich hier nicht‘." Dabei wollte Trimmel mit ihrem Posting auf die "menschenverachtende Politik der FPÖ" aufmerksam machen, wie sie erklärt. Die Gäste sehen das differenzierter – etwa Maria und Matthew, beide 24, die auf einen Kuchen ins Fett und Zucker kamen. Maria sagt: "Sympathieträger sollten sich vor der Stichwahl positionieren." Matthew ergänzt: "Wer gegen die Rechten auftritt, dem muss auch klar sein, dass sich die dann extrem aufspielen." Eva Trimmel hätte nicht gedacht, dass sich "so viele Leute für diesen Pipifax interessieren", sagt sie.

WC verstopft

Zwar habe sie mit Polarisierung gerechnet und auch die Beschimpfungen überraschen sie nicht. "Aber dass ich bedroht werde, macht mir echt große Angst." FPÖ-Sympathisanten hätten ihr nicht nur Anzeigen (wegen Diskriminierung) angekündigt, sondern damit gedroht, sie "schon noch besuchen" zu kommen. Und ein Mann habe am Dienstag Kaffee und Strudel bestellt und sei dann aufs Klo gegangen: "Dort hat er mir eine Sauerei hinterlassen", erzählt Trimmel. Er habe das WC mit Klopapier verstopft und sei dann ohne zu bezahlen gegangen."Allein gegen Tausende, das übersteigt meine Kräfte", sagt Eva Trimmel. Sie hofft, dass sich der Sturm der Entrüstung bald legt. "Auf Facebook kommen nur noch Fotos von Kuchen und Katzenbabys."