Chronik | Wien
05.12.2011

Juwelier in Alsergrund überfallen

Vier Bewaffnete raubten den Juwelier am Julius Tandler-Platz aus und flüchteten anschließend samt Beute. Verletzt wurde niemand.

Einer der flüchtenden Räuber hat mit der Waffe auf mich gezielt, ich habe zum Schutz einen Tisch vom Gastgarten gepackt", sagt Bachir Saadi, Chef des gleichnamigen Cafés am Julius-Tandler-Platz in Wien-Alsergrund.

Minuten zuvor, am Mittwoch gegen 9.35 Uhr, waren vier mit Motorradhelmen und Sturmhauben maskierte Männer ins benachbarte Juweliergeschäft Schwödt gestürmt - in Manier der berüchtigten "Pink-Panther-Bande".

Während einer der Räuber drei Angestellte sowie Seniorchefin Leopoldine H., 75, und deren herbeieilenden Enkel, Geschäftsführer Florian H., 35, mit einer Faustfeuerwaffe in Schach hielt, zertrümmerten die anderen mit einem Hammer mehrere Glasvitrinen im Verkaufsraum. Wahllos rafften die Täter teure Uhren (Breitling) und Schmuck an sich und flüchteten aus dem Geschäft.

Augenzeuge Saadi nahm trotz der Drohung die Verfolgung der Räuber auf. So wie auch Berufsdetektiv Gabor Barati, der gerade aus seiner Wohnung auf die Straße getreten war: "Ich sah die Räuber sowie den hinterherrennenden Bachir."

Schüsse

Um die Ecke, in der Rotlöwengasse, sprangen die Räuber auf zwei dort bereitgestellte, wahrscheinlich zuvor gestohlene Motorräder (vermutlich zwei Hondas Marke "African Twin", eine weiß, eine schwarz) und brausten los. Einer der Männer feuerte in Richtung der Verfolger noch zwei Schüsse in die Luft. Möglicherweise handelte es sich jedoch um Platzpatronen.

"Ich hörte den Knall, gleich danach rannte eine junge Frau zu uns ins Lokal", schildert Christine Schödl, Juniorchefin im nahen Gasthaus Löwenhof. Sie sah die Räuber noch auf den Motorrädern davonfahren, "einer zog sich die Maske vom Kopf und schwenkte sie in der Luft."

In dem Moment begegneten die vier Täter, die gegen die Einbahn durch die Clusiusgasse fuhren, Altwarenhändler Helmuth Ganz: "Ich dachte mir schon, da ist was passiert." Er wendete seinen Wagen, kurz darauf sprangen die Verfolger Barati und Saadi zu ihm ins Auto. Gemeinsam fuhren sie den beiden Motorrädern nach, "doch wir haben sie schließlich leider aus den Augen verloren."

Beute

"Gott sei Dank ist niemanden etwas passiert", sagte der geschockte Juwelier Florian H. kurz nach dem Überfall zum KURIER. Über den genauen Wert der vermutlich beträchtlichen Beute konnte man vorerst keine Angaben machen, das "müssen wir erst genau auflisten".

Pink Panther: 200 Millionen Euro Beute

Der aktuelle Fall schaut nach Pink Panther aus", sagt Michael Braunsperger von der Kriminalpolizeilichen Abteilung. Die berüchtigte Bande wird für rund 150 Juwelierüberfälle in ganz Europa verantwortlich gemacht, der Schaden dürfte an die 200 Millionen Euro betragen. Die vor allem aus Ex-Jugoslawien stammende Gruppe sticht durch ihre Professionalität hervor - die meisten Überfälle dauern keine zwei Minuten. Zwar weiß man, dass die Mitglieder vor allem in Serbien und Montenegro daheim sind, eine genaue Führungsstruktur ist aber nicht bekannt. In den vergangenen zwei Jahren wurden vereinzelt Mitglieder der Bande erwischt, diese schweigen aber eisern zu allen Details.

Während es zuletzt in Österreich eher ruhig war, könnten der aktuelle Fall und ein Coup im Juni in der Wollzeile auf das Konto der Pink Panther gehen, die nach jenem Film benannt sind, in denen der Verbrecher immer fliehen kann. Auch insgesamt gab es zuletzt wieder einen leichten Anstieg bei den Juwelierüberfällen, seit Anfang Juli gab 5 dieser Coups.
Der Juwelier Schwödt war auch Schauplatz des bisher größten Juwelendiebstahls in Österreich. 1999 brachen drei Polen durch die Kanalisation ein und transportierten Schmuck im Wert von 30 Millionen Schilling per Schlauchboot ab. Sie wurden erst 2001 erwischt.

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