Chronik | Wien 03.01.2012

Izabela: „Heute weiß ich: Mein Freund hat mich ausgenützt“

Ich hätte mir nie gedacht, dass man so schnell ganz unten sein kann.“ Izabela schüttelt den Kopf. Sie hatte eine gute Ausbildung, einen Job, eine Wohnung, einen Freund. Und landete dennoch auf der Straße.

Abstieg

Jetzt hat die 30-Jährige gar nichts mehr – außer einem geborgten Fernseher, einem DVD-Player um 30 Euro und dem Gewand, das im Schrank des Caritas-Heimes hängt. Und 15.000 Euro Schulden.

Izabela ernährt sich vegan und spricht druckreife, hochdeutsche Sätze. „Ich bin nie unvernünftig mit Geld umgegangen“, sagt sie. „Mir war es immer wichtiger, meine Fixkosten zu bezahlen, als Parfums oder Handys zu kaufen.“

Die 30-Jährige machte eine Ausbildung als Bekleidungstechnikerin und war zuletzt als stellvertretende Filialleiterin im Handel tätig. Die Ersparnisse aus dieser Zeit? „Null.“

Heute weiß sie: „Mein Freund hat mich ausgenützt.“ Er wohnte bei ihr, doch nur sie zahlte die Miete, den Strom, das Essen. „Er hat nichts zum gemeinsamen Leben beigetragen.“ Schließlich borgte sie ihm auch noch 2000 Euro – die sie nie wiedersah.

Als dann auch ihr Job weg war, wurden die Mietrückstände sehr schnell immer höher; zuerst drehte man ihr Strom und Gas ab, schließlich musste sie die Wohnung verlassen. Der Kontakt zu Freund und Eltern war da bereits abgerissen. Monatelang schlief sie in der „Gruft“ und bettelte in der U-Bahn.

Hoffnung

Seit einem Jahr hat sie im Juca, dem Caritas-Haus für wohnungslose junge Erwachsene, ein Dach über dem Kopf gefunden. Der Weg zurück ist schwer. Zuerst gelang es, mit den Gläubigern eine Ratenzahlung zu vereinbaren, denn die Liste der Schulden ist lang: Von der Wohnung, von der Heizung, vom Schwarzfahren. Gemeinsam mit der Schuldnerberatung hofft sie, bei den Gläubigern einen Privatkonkurs durchzubringen. „Ich will endlich meine Schulden loswerden und wieder eine eigene Wohnung haben.“

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( Kurier ) Erstellt am 03.01.2012