Chronik | Wien 03.06.2016

Hitzige Diskussion: Soll die Praterstraße eine Flaniermeile werden?

Bezirksvorsteher Karlheinz Hora (SPÖ), ORF-Moderatorin Elisabeth Vogel und der grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch © Bild: Kurier/Juerg Christandl

Stadtgespräch: Mehr als hundert Anrainer debattierten über die Zukunft der Praterstraße

Kaum ein Thema – abgesehen vielleicht vom Rauchen – sorgt bei den Wienern so sehr für hitzige Debatten wie der Verkehr. Das war beim Stadtgespräch vom KURIER gemeinsam mit ORF Wien heute "Praterstraße: Soll die Verkehrsader eine Flaniermeile werden?" einmal mehr zu beobachten. Das Separee im Stadtgasthaus Eisvogel war Donnerstagabend bis auf den letzten Platz gefüllt, die Stimmung schon vor den ersten Statements aufgeheizt.

Auf dem Podium saß zum einen der grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch, dessen Partei die Lebensqualität der Praterstraße durch breitere Geh- und Radwege steigern möchte. Für den motorisierten Individualverkehr würde dabei nur eine Fahrspur pro Richtung übrig bleiben. "Ja, wollen Sie unsere Straße zerstören?", kam gleich ein Zwischenruf. Ein zweiter Anrainer: "Wenn ich flanieren möchte, gehe ich in die Prater Hauptallee."

"Sicher kein Stöpsel"

Kurier-Stadtgespräch zu dem Thema "Praterstraße - …
Kurier-Stadtgespräch zu dem Thema "Praterstraße - Soll die Verkehrsader eine Flaniermeile werden?" Wien, 02.06.2016 © Bild: Kurier/Juerg Christandl
Neben Maresch auf dem Podium saß Leopoldstadts Bezirksvorsteher Karlheinz Hora ( SPÖ). Für ihn wäre die Umsetzung des grünen Boulevards "eine Kriegserklärung". Denn, so argumentierte er: "Ich habe mich sehr bemüht, den Verkehr aus den Wohnvierteln zu bekommen. Da steck’ ich jetzt nicht entlang der Verkehrsader einen Stöpsel hinein." Zustimmendes Gejohle. An Maresch gewandt, fuhr Hora fort: "Ich habe nämlich keine wachsenden Straßen, sehr wohl aber eine wachsende Bevölkerung. Wo sollen deren Autos hin?" – "Das ist doch Politik der 60er-Jahre", kam diesmal ein Zwischenruf aus der Pro-Radler-Ecke.

Es könne nicht sein, meinte Maresch, dass Autos auf der Praterstraße immer noch zwei Drittel des Platzes einnehmen. "Ja, na, Gott sei Dank ist das so", riefen daraufhin gleich mehrere Personen im Publikum. "Was Sie vorhaben, ist einfach ein Skandal", ergänzte Anwalt und Anrainer Manfred Ainedter.

Kurier-Stadtgespräch zu dem Thema "Praterstraße - …
Kurier-Stadtgespräch zu dem Thema "Praterstraße - Soll die Verkehrsader eine Flaniermeile werden?" Wien, 02.06.2016 © Bild: Kurier/Juerg Christandl
"Wir haben jetzt schon täglich sechs bis sieben Stunden Stau", meinte ein weiterer Anrainer. "Wollen Sie diese Autos wegzaubern?" Lautes Gelächter.

"Attraktiv und sicher"

Maresch versuchte daraufhin aufzuzeigen, dass der Umbau auch den Autofahrern zugute käme: Seit Jahresbeginn seien auf der Praterstraße 300.000 Radler gezählt worden. Wenn die mit dem Auto fahren würden, gäbe es noch mehr Stau. Damit die Menschen also beim Radfahren bleiben – und noch mehr umsteigen – müsse es attraktive und sichere Wege geben. Unterstützung kam an dieser Stelle von Roland Romano von der Radlobby: "Wir müssen an die Zukunft denken – und Wien dementsprechend gestalten", meinte er.

Kurier-Stadtgespräch zu dem Thema "Praterstraße - …
Kurier-Stadtgespräch zu dem Thema "Praterstraße - Soll die Verkehrsader eine Flaniermeile werden?" Wien, 02.06.2016 © Bild: Kurier/Juerg Christandl
Horas Kompromissvorschlag: Eine Alternativroute, die Radler über die Helenengasse führen soll. Dabei würden sie auch weniger Ampeln passieren.
( kurier.at ) Erstellt am 03.06.2016