In diesem Lift starb Stanislav Bach.

© KURIER/Gilbert Novy

Herztod im U-Bahn-Lift
01/05/2015

Staatsanwalt lässt Fahrgäste ermitteln

Der Vorfall vom Stefanitag in der U-Bahnstation Volkstheater wird ein Nachspiel haben.

von Michael Berger

Wie berichtet, verweigerte ein Dutzend Passanten in einem U-Bahn-Lift einem am Boden liegenden Mann die Hilfe. Der 58-jährige gebürtige Pole lag regungslos fünf Stunden mit seinem Gesicht zur Aufzugswand. Zwischen zwei und sieben Uhr früh muss der Mann – wahrscheinlich an einem Herzinfarkt – gestorben sein.

Erst eine Putzkraft der Wiener Linien fand den Mann und versuchte, zu reanimieren. Doch selbst der alarmierte Notarzt konnte nicht mehr helfen. Parallel dazu ignorierten zwei Stationswarte ihre Aufsichtspflicht und ließen die Rundgänge ausfallen. Sie hätten das Herzinfarkt-Opfer finden können.

Strafverfahren

Montag bestätigte die Wiener Staatsanwaltschaft (StA) die Eröffnung eines Strafverfahrens. Denn die fünf Stunden, in denen niemand helfen wollte, wurden von der Aufzugs-Kamera gefilmt. Die Polizei forderte von den Wiener Linien das gesamte Bildmaterial der fünf Stunden an. Sprecher Patrick Maierhofer: "Zurzeit werden die Aufzeichnungen gesichtet. Wir haben den Auftrag, die Passanten in dem Lift zu identifizieren." Parallel zu dem Ermittlungsverfahren ordnete die Staatsanwaltschaft auch eine Obduktion des Polen an. Denn für eine eventuelle Anklage ist es durchaus entscheidend, wann der 58-Jährige in dem Lift gestorben ist.

"Vorerst wird wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt", erklärte Nina Bussek von der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen könnten auch die beiden – mittlerweile entlassenen – Mitarbeiter der Wiener Linien treffen. Denn hätten sie die Kontrollen durchgeführt, wäre der Mann vielleicht zu retten gewesen.

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