Geht es nach der Initiative soll  in der Herrengasse künftig  ein einheitliches Straßenniveau herrschen.

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Herrengasse: "Nicht mehr Blinddarm des Kohlmarkts"
03/07/2016

Herrengasse: "Nicht mehr Blinddarm des Kohlmarkts"

Eine Verkehrsberuhigung soll die Gasse weiter beleben. Eine Entscheidung fällt demnächst.

von Anna-Maria Bauer

Zwetschkenblau, Zitronengelb, Erdbeerrot. Dosen mit kunterbunten, fingerbreiten Zuckerln reihen sich in der "Zuckerlwerkstatt" aneinander. Vor zwei Jahren haben sich der Sänger Christian Mayer und die Juristin Maria Scholz in der Herrengasse eingemietet. Hier, im Erdgeschoß von Wiens erstem Hochhaus, führen sie Wiens erste Bonbonmanufaktur.

"Viele Freunde wollten uns das ausreden", sagt Mayer. "In die Herrengasse? Warum wollt ihr denn dort hin, haben sie gesagt." Auch wenn sie als Wohnadresse verschiedenster Adelsherren vormals zur wichtigsten Straße der Stadt gehörte und heute noch Sitz von Innenministerium oder Teilen der Nationalbibliothek ist: Die Herrengasse hat in den vergangenen Jahren offenbar an Bedeutung verloren.

Aber Mayer und Scholz eröffneten trotzdem ihr Geschäft hier. Nach zwei Jahren des Zuckermassen-Ziehens und Süßigkeiten-Verkaufens ist Mayer froh, den Schritt gewagt zu haben, denn das Geschäft gehe sehr gut. Und: "Die Gasse ist nicht mehr nur der Blinddarm des Kohlmarkts, wie es früher hieß. Es wird richtig cool hier."

Neuorientierung

Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Seit Jahren ist Wolfgang Spitzy von der Initiative "Herrengasse+" darum bemüht, die geschichtsträchtige Gasse mit neuem Leben zu füllen.

Eine weitere Maßnahme soll dieses Vorhaben zusätzlich vorantreiben: eine Verkehrsberuhigung.

Geht es nach den Plänen der Initiative soll zwischen Michaelerplatz und Freyung künftig ein einheitliches Straßenniveau herrschen (die neue Oberfläche soll aus hochwertigem, österreichischem Naturstein bestehen). Auch zusätzliche Sitzmöglichkeiten soll es geben. Die Parkplätze werden verlegt; für die Anrainerparkplätze wird in den umliegenden Gassen Ersatz gefunden. Die Verkehrsverbindungen bleiben aber gleich.

Und die Kosten für das Projekt? Die tragen die Verantwortlichen selbst.

Nachdem im vergangenen halben Jahr die verschiedenen Aspekte des Projekts überprüft wurden, steht eine finale Entscheidung demnächst an.

Aber ob Verkehrsberuhigung oder nicht. Es tut sich bereits jetzt einiges auf den knapp 500 Metern zwischen Freyung und Michaelerplatz.

Palais, Palais

Die von Karl Wlaschek gegründete Firma Amisola (jetzt im Besitz der Wlaschek-Stiftung, der knapp die Hälfte der Palais in der Herrengasse gehört) baut in den Palais Batthyány und Trauttmansdorff Luxuswohnungen. Immer mehr kleine Geschäfte wie die Viennastores siedeln sich an. Und noch im Frühjahr wird der "Freiraum Coffeeshop" aufsperren. Warum die Macher des Szene-Lokals "Freiraum" die Herrengasse für ihre Dependance wählten? Geschäftsführer Christoph Wagner: "Wir wollten an einen Ort, der am Puls der Innenstadt aber nicht in einem klischeehaften, überteuerten Touristengebiet liegt. "

Zu einem besonderen Treffpunkt hat sich das "Unger & Klein" im Rondeau vor dem Haupteingang des Hochhauses entwickelt. Hier schnappen sich Hochhaus-Bewohner auf dem Weg zur Arbeit ein Croissant oder genehmigen sich auf dem Nachhauseweg ein Glas Wein. Wie beurteilt Geschäftsführer Martin Riegler die Entwicklung? "Die Herrengasse wandelt sich von einem Straßenzug, durch den man hetzt, zu einem, in dem man sich umschaut."

Straße der Pioniere

Straße der PioniereGeschichtsträchtiges PflasterMondäne Lebensader und Wohnviertel der Reichen und Mächtigen – Wer in der Wiener Herrengasse wohnte und verkehrte, hatte Rang und Namen. Das soeben erschienene Buch „Von Palais zu Café“ (Metroverlag, 24,90€) entdeckt die Gasse als aufregenden Schauplatz der Geschichte neu. Am Donnerstag, 10. März, präsentiert die Autorin das Buch um 19 Uhr im Arkadenhof des Café Central.

Mondäne Lebensader und Wohnviertel der Reichen und Mächtigen – Wer in der Wiener Herrengasse wohnte und verkehrte, hatte Rang und Namen. Das soeben erschienene Buch „Von Palais zu Café“ (Metroverlag, 24,90€) entdeckt die Gasse als aufregenden Schauplatz der Geschichte neu.

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