Chronik | Wien 17.03.2016

„Helden“ gegen Unterdrückung waren Ministerium zu teuer

Im kommenden Jahr hätten die "Heroes" in Wien starten sollen © Bild: /Heroes

Bildungsministerium ließ das Projekt platzen. Im Vorfeld lehnte man eine VP-Finanzierung ab.

Unterdrückung im Namen der Ehre – ein Thema, das auch in Österreich längst angekommen ist, vor allem in patriarchalen Strukturen. Ein Projekt soll dagegenwirken: „Heroes“ ist der Titel. Bei den „Helden“ handelt es sich um Burschen und junge Männer mit Migrationshintergrund, die an Schulen Workshops „Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre und für Gleichberechtigung“ abhalten.

Absage per SMS

In Wien sollte dieses Projekt im kommenden Jahr starten. Das Konzept lag auf dem Tisch, die Finanzierung (großteils durch das Bildungsministerium) war zugesagt und budgetiert, die Stadt Wien hatte Jugendarbeiter dafür abgestellt und der Stadtschulrat grünes Licht gegeben. Doch in der letzten Verhandlungsrunde Anfang März platzte das Projekt: „Vier Stunden vor dem Abschlussgespräch kam das SMS“, sagt Heiko Heinisch, der das Projekt gemeinsam mit Nina Scholz entwickelt hatte.


Heinisch ist schwer enttäuscht. „Wir haben das Projekt im Auftrag des Ministeriums ausgearbeitet.“ Als man auch das Integrationsministerium (ÖVP) in die Finanzierung einbinden wollte, gab es eine eindeutige Ablehnung vom Bildungsministerium ( SPÖ). Zitat aus einem Bericht: „XY (Büro der Ministerin), der nur kurz anwesend sein konnte, vertrat die Ansicht, das Projekt Heroes solle ausschließlich von SPÖ geführten Ministerien finanziert werden.“


Doch schlussendlich sollen unter anderem die jährlichen Kosten von 150.000 Euro gegen das Projekt gesprochen haben. „Die Expertise hat ergeben, dass es sich hierbei um ein Projekt handelt, von dem Schüler im Pflichtschulbereich frühestens in zwei Jahren profitieren können. Das Ministerium hat sich für Sofortmaßnahmen entschieden und hat auch heuer wieder 600 Workshops für ,Respekt & Zusammenleben in der Schule’ bereitgestellt“, heißt es aus dem Büro von Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek. „Den Ländern steht es natürlich frei, das inhaltlich gute Programm von Heroes umzusetzen.“


Enttäuscht über diese Absage reagiert die Stadt Wien. „Wir wären dafür bereit, aber wir können es nicht allein finanzieren“, sagt eine Sprecherin von Stadträtin Sandra Frauenberger ( SPÖ).


Die Begründung des Ministeriums kann Heinisch nicht nachvollziehen. „Es gibt kein einziges vergleichbares Angebot, das gezielt Burschenarbeit beinhaltet. Und wir hätten schon Anfang nächsten Jahres in den Schulen starten können.“


Zumindest in Salzburg wird das Integrationsprojekt verwirklicht. Die Finanzierung übernimmt zur Gänze das Land: „Acht bis zwölf junge Männer zwischen 17 und 23 Jahren werden ausgebildet – an die Schulen gehen sie mit Jahresanfang 2017“, heißt es aus dem Büro der zuständigen Landesrätin Martina Berthold (Grüne).

( kurier.at ) Erstellt am 17.03.2016