Der Gambier bestreitet alle Vorwürfe

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Prozess
01/23/2015

Ein Herzensbrecher in Nöten

Tijan S. gaukelte Frauen die große Liebe vor und ließ sich auch gerne von ihnen beschenken.

von Michaela Reibenwein

Mit einem breiten Lächeln schlendert Tijan S. zum Gerichtssaal in Wien. Ihm vergeht das Lachen auch nicht, als sich Fotografen und Kamerateams auf den mutmaßlichen Heiratsschwindler stürzen. Der gebürtige Gambier kann auch noch schelmisch grinsen, als ihn die Dolmetscherin nach den Sorgepflichten fragt. „Offiziell habe ich ein Kind“, sagt der 28-Jährige. Der Charme des Afrikaners fand in der Damenwelt großen Anklang. Doch das Ende ist bitter: Vier Frauen fühlen sich um Geld geprellt. Mehr als 28.000 Euro sollen sie Tijan S. gegeben haben. „Er hat sie betrogen“, sagt Anwalt Mirsad Muslio. „Aber nicht im strafrechtlichen Sinn.“

Der langhaarige Afrikaner war kein Freund der Monogamie. Dass er jeweils mehrere Freundinnen hatte, gibt er zu. Aber, darauf besteht er, Ehefrau hatte er nur eine. „Ich möchte Frauen nicht verletzen. Ich weiß nicht, wie ich sie abweisen soll“, erklärt er seine Not. Ums Geld wäre es ihm nie gegangen. „Ein Heiratsschwindler sucht sich keine Studentinnen aus, sondern wohlhabende Damen“, klärt sein Anwalt auf. „Das war ein Geben und Nehmen.“ Ursprünglich war die Rede von 15 geschädigten Frauen. Vor dem Richter sind nur mehr vier Fälle übrig geblieben. Und die Benützung einer fremden eCard für Arztbesuche – das gibt der Angeklagte auch zu.

Babysegen

Drei der vier Frauen wurden schwanger. Mit einer flog er in seine Heimat, um Hochzeit zu feiern. Dass er zu dem Zeitpunkt schon verheiratet war, habe er nicht gewusst. Eine Frau, die gerade ihr Kind geboren hatte, bekam den Liebhaber nicht mehr zu sehen. Die Vorarlbergerin schickte ihm sogar mehrfach Geld, auch für ein Zugticket. „Weil man naiv ist und immer wieder hofft“, sagt sie. Und auch die anderen Damen hofften auf eine gemeinsame Zukunft – und gaben dafür ihr Geld. Von anderen Frauen hätten sie nichts gewusst. Auch wenn Tijan S. betont: „Doch, sie wussten davon. Es hat ihnen nichts ausgemacht.“ Der Fall kam schließlich ins Rollen, als zwei der gehörnten Frauen einander auf Facebook fanden – sie gingen zur Polizei. „Eine Verschwörung“, findet der Angeklagte.

Die Verhandlung wurde auf Ende Februar vertagt.

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