Chronik | Wien
28.02.2018

Haus des Meeres: Neues Mittelmeer eröffnet

Neun Becken der Abteilung beherbergen nun Quallen, Seepferdchen, Haie und Oktopusse. Der im März startende Groß-Umbau lässt Schriftzug am Flakturm verschwinden.

Das Wiener Haus des Meeres besinnt sich auf seine Anfänge. Am Mittwoch wurde die Mittelmeerabteilung nach einem Umbau wiedereröffnet - jene Abteilung, mit der der Zoo vor knapp 60 Jahren seinen Betrieb aufnahm. "Das Mittelmeer ist die Keimzeile des Haus des Meeres", sagte Direktor Michael Mitic bei der Präsentation der neuen Anlage.

"Die Devise war: schöner, größer, besser - und teuer", sagte Mitic. Mit 400.000 Euro Baukosten ist es die bisher teuerste Anlage. Elf Monate lang dauerten die Arbeiten, bei denen die Verantwortlichen immer wieder auf Probleme stießen. So wurden die Stahlkonstruktion und die Betondecke in der Vergangenheit durch das Salzwasser so stark beschädigt, dass für das Großaquarium mit 50.000 Litern Inhalt und einem Gesamtgewicht von 80.000 Kilogramm eine neue Konstruktion gebaut werden musste, erzählte Geschäftsführer Hans Köppen.

Verdoppelt

Die neue Abteilung ist fast doppelt so groß wie die alte und beherbergt über 1.000 Tiere und mehr als 100 verschiedene Arten. "Es ist ein Querschnitt durch die Fauna des Mittelmeers", sagte Mitic. Die neun Aquarien mit einem Fassungsvermögen zwischen 150 und 50.000 Litern sind nach Lebensräumen sortiert. Im größten Becken wurde eine Seegraswiese nachgebaut. Dieser Lebensraum sei durch Abwässer und Boote bedroht, daher wollte man ihn in den Mittelpunkt stellen, erzählte Kurator Daniel Abed-Navandi. Paradoxerweise wurde das Seegras für das neue Becken künstlich - aus Plastik - hergestellt, da es anders nicht funktioniert hätte und es den Fischen vor allem um die Struktur gehe, erklärte Abed-Navandi. Ein eigens entwickelter Wellengenerator kippt jede Minute 700 Liter Meerwasser in die Wiese und erzeugt weiße Gischt und Meeresstimmung.

Daneben befindet sich das - laut Angaben des Zoos - größte Quallen-Aquarium Mitteleuropas: Das Kreiselströmungsbecken beherbergt einen Schwarm Gepunkteter Wurzelmundquallen. Drei weitere Becken sind den Lebensräumen Meereshöhle, Gezeitentümpel und Schlammboden gewidmet und zeigen Meeresbodentiere wie Seeanemonen, Austern, Röhrenwürmer, Seespinnen, Schlangensterne und Seeigel. Die anderen Aquarien werden unter anderem von Katzenhaien, Giftfischen und nachgezüchteten Seepferdchen bewohnt.

Kriegerische Oktopusse

Erstmals versuchte das Haus des Meeres außerdem, Oktopusse in Gruppen zu halten. Das klappe selten, meist würden sich die Tiere bekämpfen, sagte Abed-Navandi. In diesem Fall funktionierte es allerdings: "Kurz haben sie sich noch geprügelt, aber letztendlich kam es bereits nach fünf Minuten zur ersten Paarung", erzählte er.

In den nächsten zwei Jahren steht dem Haus des Meeres noch ein weitaus größerer Umbau bevor: Wie Ende Jänner angekündigt wurde, wird der Flakturm ab März um einen Zubau mit Glasfassade erweitert. Im Zuge der Vergrößerung wird der weithin sichtbare Schriftzug "Zerschmettert in Stücke (Im Frieden der Nacht)" von allen vier Fassadenseiten verschwinden, bestätigte Franz Six, Stiftungsvorstand des Hauses des Meeres, der APA.

Das Werk des Künstlers Lawrence Weiner entstand 1991 im Auftrag der Wiener Festwochen. Die geplante Entfernung des Schriftzugs hatte in den vergangenen Wochen bereits für Kritik gesorgt. Man habe in der Vergangenheit auch Umbaupläne vorgestellt, die den Schriftzug erhalten würden, sagte Six. Die jetzige Variante sei als einzige als stadtbildverträglich genehmigt worden. Der Zubau wird zwar nicht alle vier Seiten des Turms verdecken, allerdings habe der Künstler in Reaktion auf die Umgestaltung verlangt, dass sein Werk auf allen Seiten entfernt werden müsse, sagte Six.