Chronik | Wien
23.03.2016

Gründerzeithaus vor Abriss, doch Mieter ziehen nicht aus

Die Eigentümer wollen einen modernen Neubau errichten. Die letzten Mieter das alte Haus erhalten.

Bretter, Sitzgarnituren, Kloschüsseln. In der Hetzgasse 8 (3. Bezirk) stapelt sich im Innenhof der Müll. Wie der KURIER bereits berichtete, soll an der Stelle des Gründerzeithauses ein Neubau samt ausgebautem Dachgeschoß entstehen. Erste Abbauarbeiten haben bereits stattgefunden. Ein Bescheid der Stadt Wien bestätigte bereits, dass ein Abriss im öffentlichen Interesse sei.

Dabei ist eine Wohnung noch bewohnt. Und die Mieter Silvia und Andreas Schilk denken auch nicht daran, auszuziehen: "Gründerzeithäuser gehören geschützt, nicht zerstört. Wir möchten ein Zeichen setzen, dass man Mieter nicht einfach so vertreiben kann." Die Schilks werfen den Eigentümern vor, mit dem Haus bloß zu spekulieren: "Man hat es Haus absichtlich verfallen lassen, um einen Neubau zu errichten."

"Wertvolles Projekt"

Die Hauseigentümer wollen diese Kritik nicht auf sich sitzen lassen. Mit dem neuen Projekt wolle man ein wertvolles neues Wohnhaus schaffen. Der Erhalt des Gründerzeithauses sei in diesem Fall einfach nicht sinnvoll. Es gebe zu viele Baustellen: Elf der 21 Wohnungen haben ein WC auf dem Gang. Die Fenster zeigen großteils Richtung lauter Bahntrasse. Der Keller sei nass, die Grundrisse schlecht. Es gibt zu viele Gänge und Durchgangszimmer. Dabei seien derzeit kleine Wohnungen gefragter. In dem neuen Haus sind Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen geplant – mit Balkon, Loggia oder Garten.

Das geplante Projekt stößt aber auch bei Anrainern auf Widerstand: "Der geplante Neubau ist ein Schandfleck für das Viertel", sagt Rudolf Rappel. Dem Werbekaufmann gehört das Gebäude gegenüber.

Rappel ist einer von 1500 Unterstützern, die die Petition "Schützt Gründerzeithäuser vor Spekulation" unterschrieben haben. Diese Petition hat Andreas Schilk vergangenen Freitag bei der Behörde eingereicht. Auch gegen den Interessensbescheid haben die Schilks eine Beschwerde eingelegt.

Ob sie mit ihren Aktionen den Abriss verhindern können, bleibt abzuwarten. Eine Bauverhandlung Ende Februar verlief für die Eigentümer positiv. Man warte nun auf die Bewilligung. Ein Aushang in einem Nachbarhaus weist bereits darauf hin, dass in nächster Zeit "Abbruch- und dann Bauarbeiten" in der Hetzgasse 8 stattfinden werden.

"Wir bemühen uns weiter eine zwischenmenschliche Lösung mit den Mietern zu finden", heißt es von den Eigentümern. Nachsatz: "Wir sind zuversichtlich, das Projekt wie geplant umsetzen zu können."