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Neue Daten
04/12/2014

Großer Zeitverlust bei Krebstherapie

Im AKH Wien warten Brustkrebs-Patientinnen im Schnitt fast 70 Tage auf eine Strahlenbehandlung.

von Josef Gebhard

Es war ein Aufschrei von heimischen Strahlenmedizinern, der in den vergangenen Tagen auch für gehörigen politischen Wirbel sorgte: Verglichen mit anderen Ländern müssen Krebspatienten in Österreich unzumutbar lange auf eine Strahlentherapie warten. Ende April findet deshalb ein Krisengipfel zwischen den Patientenanwälten von Wien, NÖ und dem Burgenland gemeinsam mit Ländervertretern statt (der KURIER berichtete).

Dabei werden Daten einer aktuellen Studie diskutiert, die in Auszügen dem KURIER vorliegt. Besonders schlecht schneidet dabei das Wiener AKH ab: Durchschnittlich knapp 70 Tage müssen dort Frauen zwischen dem Erstkontakt mit den Strahlenmedizinern und dem Beginn der tatsächlichen Behandlung warten. Das ist deutlich länger als in den anderen Wiener Spitälern (siehe Grafik). Auch bei den Tumoren im Zentral-Nervensystem ist Wiens größtes Spital Schlusslicht: Hier liegt die Wartezeit bei 25 Tagen. Beim Prostatakrebs liegt wiederum das Krankenhaus Hietzing an letzter Stelle (mehr als 60 Tage Wartezeit).

Spitze des Eisbergs

Für den Strahlenmediziner Robert Hawliczek, der im Auftrag der Patientenanwälte die Daten erhob, sind die Zahlen allerdings nur die "Spitze des Eisberges". Denn nicht erhoben wurde, wie viel Zeit davor, also vom ersten Tumorverdacht bis zum Erstkontakt mit den Strahlenmedizinern, vergeht. "Laut internationalen Richtwerten dürfen etwa beim Brustkrebs zwischen Diagnose und erster Behandlung nur vier Wochen vergehen. Ansonsten verschlechtert sich die Prognose für die Patientin", sagt der Mediziner des Wiener Donauspitals.

Störfaktoren

Hawliczek selbst räumt ein, dass die Daten einige verzerrende Faktoren enthalten, die noch herausgerechnet werden müssten. So verlängert sich bei manchen Patienten die Wartezeit, weil sie sich gerade in einer Chemotherapie befinden. Unabhängig davon bleibt für Hawliczek dennoch ein alarmierendes Gesamtbild übrig.

Ein Grund für die langen Wartezeiten ist der Mangel an Strahlentherapie-Geräten: Während es in West- und Nordeuropa 7,0 pro einer Million Einwohner gibt, sind es in Österreich nur 5,1.

Nach dem Aufschrei der Mediziner und der Patientenanwälte streiten jetzt Bund und Länder, wer dafür verantwortlich ist (der KURIER berichtete).

Doch warum schneidet ausgerechnet das AKH, immerhin Österreichs wichtigstes Spital, bei Brustkrebs so schlecht ab? "Ein Grund dafür sind die vielen Umbauten in den anderen Wiener Krankenhäusern", sagt Hawliczek. Dadurch werde das AKH massiv mit Patienten überlastet. Im AKH regiert man auf die Studie verschnupft: Man könne die Daten nicht nachvollziehen, heißt es in einer ersten Stellungnahme.

"Sie zeigen jedenfalls: Die Krebsbehandlung ist in Österreich nicht ,state of the art‘", kritisiert ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger. "Die Kapazitäten in der Strahlentherapie müssen dringend ausgebaut werden." Länder und Bund müssten sich auf einen Weg einigen. Der für Ende April vorgesehene runde Tisch zum Thema sei ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Krebspatienten warten 64 Tage am Spital Krems.

Lange Wartezeiten gibt es nicht nur in den Wiener Spitälern, sondern auch in Niederösterreichs Krankenhäusern: Spitzenreiter ist hier das Landesklinikum Krems, wo man beispielsweise von der Anmeldung bis zum Beginn einer Strahlentherapie 64 Tage – das sind immerhin mehr als zwei Monate – bei einer Prostata-Behandlung warten muss. Im Fall einer Brustkrebs-Erkrankung sind es auch 42 Tage bis zum Start der Bestrahlung. Das zeigen Zahlen aus dem zweiten Halbjahr 2013.

In Wiener Neustadt ist die Situation zwar besser, aber Patienten müssen sich trotzdem auf längere Wartezeiten einstellen. Bei Prostata-Krebs vergingen im Vorjahr 36 Tage von der Anmeldung bis zur Strahlentherapie.

Doch Besserung soll folgen. Erst 2006 war in Krems ein neues, 21 Millionen Euro teures Strahlentherapiezentrum eröffnet worden, das für jährlich rund 1200 Krebspatienten ausgelegt ist.

Die Stellungnahme der niederösterreichischen Landeskliniken-Holding fällt relativ knapp aus: "Beim Mammakarzinom liegt Krems an drittbester Stelle. Außerdem wird in Krems im Sommer ein neuer Linearbeschleuniger in Betrieb gehen. Der wird dafür sorgen, dass die Zahlen schon bald anders aussehen. Eine fundierte Analyse der Ursachen ist in der kurzen Zeit nicht möglich."

Ein Ursache könnte sein, dass die Wahl des Behandlungsortes häufig den Patienten überlassen wird: "Mein Spitalsurologe hat mich gefragt, ob ich nach Linz, St. Pölten oder Krems fahren will", erzählt ein männlicher Patient aus dem Mostviertel. Er habe sich für Krems entschieden und mehr als zwei Monate auf den Beginn der Bestrahlungsserie warten müssen.

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