Chronik | Wien
27.06.2017

Griensteidl: Das Ende einer Café-Legende

Das Griensteidl hat am Mittwoch seinen letzten Tag / Kunstraum für Wiener folgt.

Karl Kraus hat hier von Felix Salten eine Ohrfeige kassiert, Arthur Schnitzler war Stammgast und Stefan Zweig bezeichnete es als "Hauptquartier der jungen Literatur". Das 1847 eröffnete Café Griensteidl war einst Treffpunkt für Politiker, Künstler, Musiker und Literaten. Nachdem es 1897 geschlossen wurde, zog es die Literaten ins Café Central.

93 Jahre später, 1990, wurde das Café am Michaelerplatz von Attila Dogudans Unternehmen Do & Co wiederöffnet. Allerdings nicht in seinem ursprünglichen Gebäude im Palais Dietrichstein (das wurde vor der Jahrhundertwende abgerissen), sondern im neu errichteten Palais Herberstein.

Zwischennutzung

Kommenden Mittwoch, am 28. Juni, ereilt es sein zweites Ende. Ab Donnerstag, den 29. Juni, ist das Café Griensteidl wieder Geschichte. "Aufgrund massiver Mietzinserhöhungen ist eine Fortführung wirtschaftlich nicht mehr tragbar", sagt Petra Gold von Do & Co. 33 Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen. "Ihnen wurden alternative Arbeitsplätze in der Gruppe angeboten", sagt Gold.

Ganz so sieht es der Eigentümer, die in der Holzindustrie tätige Schweighofer-Gruppe, nicht: "Wir verlangen nun den marktüblichen Mietpreis", sagt Schweighofer-Sprecher Thomas Huemer. Der Vorbesitzer, heißt es, soll jahrelang Mietnachlässe gewährt haben.

Schon ab Juli soll das Café Griensteidl wieder genutzt werden. Der neue Betreiber ist die Agentur "Friendship.is". Das Unternehmen kennt die Schweighofer-Gruppe bereits von der "Feldküche", einem Pop-up-Projekt, bei dem Haubenköche ihre Gäste draußen in der Natur bewirten.

Vor einigen Wochen war die Schweighofer-Gruppe mit der Anfrage an Martin Fetz herangetreten, ob "Friendship.is" das Café Griensteidl nicht neu bespielen will – und sie wollten.

Das Ziel der neuen Betreiber: "Die Location soll wieder ein Ort für die Wiener werden – nicht, so wie jetzt, hauptsächlich für die Touristen", meint Martin Fetz, Geschäftsführer von "Friendship.is" zum KURIER.

Geplant sind Lesungen, Musikveranstaltungen, vielleicht auch Kunstausstellungen. Je nachdem, was gut ankommt, werde das Konzept adaptiert.

Ob es auch wieder Gastronomie im legendären Café geben wird, wollten die neuen Betreiber nicht sagen. Auch wie der Name künftig lauten wird, steht noch nicht fest. Langfristige Lösung soll das neue Projekt jedenfalls keine sein. Bei "Friendship.is" geht man davon aus, das Lokal ‚etwa ein Jahr lang zu bespielen.

Der "Vienna 1900"-Store, der vom Metroverlag-Besitzern Kurt und Sibylle Hamtil betrieben wird, soll von den Änderungen vorerst nicht betroffen sein. Ihr Vertrag für diesen Standort läuft derzeit bis Jahresende.