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Chronik Wien
05/10/2012

Ghanem hatte Angst um sein Leben

Laut Wiki-Leaks wollte der libysche Ex-Premier schon 2008 fliehen

von Dominik Schreiber

Der vor knapp zwei Wochen bei der Copa Cagrana ertrunkene libysche Ex-Premier wollte offenbar schon 2008 nach Wien fliehen. Er hatte Angst um sein Leben und seine Familie. Bereits damals wurde er offenbar bedroht, vor allem von Gaddafis (mittlerweile getöteten) Sohn Mutassim und dessen Umfeld, zeigt ein Wiki-Leaks-Dokument.

Im Juli 2008 hatte der libysche Anwalt Ibrahim El-Meyet demnach die US-Botschaft in Tripolis informiert. Mutassim Gaddafi forderte von Ölminister Ghanem dringend Geld für den Sicherheitsapparat des Landes, das ihm dieser aber verweigerte. "Die Gaddafi-Söhne sehen die nationale Ölorganisation NOC als ihre persönliche Sparbüchse", hält der US-Botschafter in der Depeche für das Weiße Haus fest. Mutassim wollte 1,2 Milliarden Dollar von Ghanem haben. Schon damals habe der Ex-Premier auch gewusst, dass das Gaddafi-Regime ohne Reformen bald am Ende sei.

Wenig später fädelte Ghanem einen Deal mit Italiens Silvio Berlusconi ein. Es gab billiges libysches Erdöl für den staatlichen Konzern eni (agip) und erhielt im Gegenzug einen italienischen Pass. Ghanem wusste, dass dieser das Ticket für einen Aufenthalt in Wien sein würde. Da seine drei Töchter hier lebten, war für ihn immer klar, dass er eines Tages hierher zurückkehren würde. Als EU-Bürger könne man ihn dann nicht mehr ausweisen. Warum Ghanem erst 2011 flüchtete, ist unklar. Fix ist, dass der Sicherheitsapparat des alten Regimes seither Rachegedanken hegt.

Die Spekulationen in internationalen Medien nehmen kein Ende. Kaum jemand glaubt an die Unfallversion der Polizei, Selbstmord und Mord stehen hoch im Kurs. Die heimische Justiz schweigt sich weiter aus: "Es gibt nichts Neues", heißt es bei der Staatsanwaltschaft lapidar

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