Chronik | Wien
09.01.2018

Getötetes Baby: Ex-Diplomat unter Missbrauchsverdacht

Ehemaliger Botschafter soll sich an der Schwester des in Wiener Spital getöteten Babys vergangen haben.

Der Fall des getöteten Babys im Wiener Donauspital nahm am Montag eine neue Wendung: Der Großvater des acht Monate alten Buben soll dessen vierjährige Schwester sexuell missbraucht haben. Womöglich war das der Auslöser für die Tat der Mutter, die ihr Baby nach Bekanntwerden des Missbrauchsverdachts erstickt haben dürfte.

Der verdächtige Großvater der Kinder ist kein Unbekannter und stand bereits vor Jahren öffentlich in der Kritik: Der ehemalige österreichische Botschafter in China und Sprecher eines Außenministers wurde aus der chinesischen Botschaft in Peking abberufen. Der Grund waren hartnäckige Gerüchte, wonach der hochrangige Diplomat einen Telefonsex-Ring betrieben und öffentlich Umgang mit Prostituierten gepflegt haben soll. Er selbst bestritt die Vorwürfe und war später für das Innenministerium in Brüssel tätig.

Familientreffen

Bei einem Familientreffen an den Weihnachtsfeiertagen in der Wohnung des Verdächtigen in der Steiermark, soll sich der Pensionist an seiner Enkelin vergangen haben. Der Vorfall dürfte die Mutter psychisch stark belastet haben. Nachdem die Eltern den Verdacht hegten, das Mädchen könnte sexuell missbraucht worden sein, begab sich die Mutter mit ihren beiden Kindern ins Wiener SMZ-Ost. Dort wurde die Familie in einem Mutter-Kind-Zimmer stationär psychologisch betreut.

Die Wiener Polizei nahm die Ermittlungen auf. Währenddessen dürfte der Leidensdruck der Mutter so groß geworden sein, dass die 37-Jährige am vergangenen Mittwoch ihren Sohn mit einem Kissen erstickt haben soll. Danach schnitt sich die Frau noch am Gelände des Krankenhauses in Suizid-Absicht die Pulsadern auf. Da eine Krankenschwester sie fand, überlebte sie knapp.

Die 37-Jährige befindet sich derzeit in Untersuchungshaft und wird weiterhin in einer geschlossenen Abteilung psychologische betreut. Warum sie ihren Sohn getötet haben soll und ihre Tochter unversehrt ließ, muss in Befragungen geklärt werden.

Großvater

Der Großvater sieht sich unterdessen mit dem Verdacht des schweren Kindesmissbrauchs konfrontiert. Nina Bussek, die Sprecherin der Wiener Staatsanwaltschaft, bestätigte, dass über den ehemaligen Diplomaten am Montag die U-Haft verhängt wurde. "Im Laufe der nächsten Tage wird er von einem Richter einvernommen werden", sagt Bussek.

Laut seinem Anwalt Rudolf Mayer verstehe der Pensionist nicht, warum die Vierjährige die Anschuldigungen gemacht habe. Es sei nie etwas dergleichen vorgefallen. "Zur Festnahme reichten die Aussagen des Kindes, auch ohne Sachbeweis", sagte der Verteidiger. Da die Gerüchte über mögliche Fehltritte des Botschafters damals im Sand verliefen, gilt der Mann als unbescholten. Laut Anwalt Mayer soll die Vierjährige in den kommenden Wochen erneut einvernommen werden.