Ein weißer Fleck im Wiener Gesundheitssystem soll endlich verschwinden: Sechs Kassenpraxen für Kinder- und Jugendpsychiater sperren auf.

© GNEDT/KURIER /martin gnedt

Gesundheit
12/30/2013

Endlich mehr Angebot für Kinder

Kassenpraxen für Kinder- und Jugendpsychiater - unnötige Rettungsfahrten werden bekämpft.

von Josef Gebhard

Auf Wiens Patienten kommen 2014 einige Neuerungen zu. Gemeinsam mit der Wiener Gebietskrankenkasse setzt die Stadt erste Projekte um, mit der die bundesweite Gesundheitsreform auch in Wien Gestalt annimmt.

Viele davon sind längst überfällig, scheiterten jedoch bisher daran, dass sich die wichtigsten Player – Politik und Sozialversicherung – nicht auf eine gemeinsame Finanzierung einigen konnten. Das soll sich jetzt ändern: „Es geht nicht mehr darum, einander auszurichten, wer wofür nicht zuständig ist“, betont Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ).

Drei Beispiele

Kinder Ein weißer Fleck im Wiener Gesundheitssystem soll 2014 endlich verschwinden: Im neuen Jahr werden sechs Kassenpraxen für Kinder- und Jugendpsychiater aufsperren. „Wichtig ist uns, dass diese Ordinationen aber nicht auf der grünen Wiese entstehen“, betont Wehsely. „Vielmehr werden sie eng mit bestehenden Einrichtungen kooperieren.“ Also etwa mit Kinderärzten oder Ergotherapeuten. So soll sichergestellt werden, dass die Kinder ohne großen Aufwand die breite Palette an Angeboten bekommen, die sie benötigen. Einzelordinationen müssen mindestens 26 Stunden, Gruppenpraxen zumindest 37 Stunden pro Woche offenhalten.

2014 wird bei der WGKK zudem eine Therapie-Datenbank eingerichtet: „Dort sind alle Angebote, die es in diesem Bereich in Wien gibt, zentral gespeichert“, sagt WGKK-Obfrau Ingrid Reischl. Mit einem eigenen Zahnbehandlungszentrum für Kinder mit Behinderungen gleich gegenüber dem Donauspital wird eine weitere Versorgungslücke geschlossen.

Alkohol Allein in Wien leben bis zu 70.000 Alkoholkranke. Hier setzt das Projekt „Alkohol 2020“ an. „Gemeinsam mit der WGKK und der Pensionsversicherung werden wir in den nächsten Monaten klären, welcher Bedarf in den Bereichen ambulante Behandlung und Rehabilitation besteht“, sagt Wehsely. Bis Juni 2014 soll daraus ein Konzept für weitere Planungen entstehen. Wenig später startet ein erstes Pilotprojekt: Ein integriertes Behandlungs- und Betreuungsmodell für eine vorerst kleinere Zahl von Patienten. „Dazu gehört auch die Vorbeugung“, sagt Reischl. Das Projekt soll auch den Wegfall der ambulanten Betreuung des Anton-Proksch-Instituts in der Wiedner Hauptstraße ausgleichen.

Rettung Rund 60 Prozent der Patienten, die mit einem Rettungstransport ins Spital geliefert werden, können das Krankenhaus in kürzester Zeit wieder verlassen. „Wir mussten auch schon Rettungseinsätze zahlen, weil den Anrufern der Brennstoff zum Heizen der Wohnung ausgegangen war“, schildert Reischl ein drastisches Beispiel.

Noch im ersten Quartal wollen daher Stadt und GKK eine Ist-Standerhebung zu den Rettungs- und Krankentransporten sowie Fahrtendiensten durchführen. Basis für ein Konzept zur Reduzierung von unnötigen Fahrten. Denn allein zwischen 2011 und 2012 stieg die Zahl der Krankentransporte um 3,5 Prozent, die Kosten um sieben Prozent. Im Gegenzug soll der Ärztefunkdienst ausgebaut werden, kündigt Wehsely an.

Um unnötige Einsätze zu vermeiden, soll es künftig auch eine Hotline geben, an der erfahrenes Pflegepersonal und Ärzte die Patienten beraten. „Modelle in der Schweiz zeigen, dass das funktioniert“, ist Reischl überzeugt.

Krankenhaus Nord

Großprojekt

Das Krankenhaus Nord zählt derzeit zu den größten Bauprojekten der Stadt. Das Spital in der Brünner Straße 73 in Floridsdorf wird einen intensivmedizinischen Schwerpunkt haben und soll 2016 in Betrieb gehen.

Eckdaten

Auf 51.000 m² entsteht eines der modernsten Spitäler Europas. Jährlich sollen 46.000 Patienten stationär versorgt werden können. 785 Betten werden in dem neuen Gebäudekomplex Platz haben. Kostenpunkt: rund 825 Millionen Euro.

Kritik

Für die hohen Kosten hat es bereits des Öfteren Kritik gegeben. Es sei um einiges teurer als vergleichbare Häuser, beispielsweise das Klinikum Klagenfurt.