Hanfbauer Alex Kristen in seinem Pflanzenreich: Sein Geschäft ist legal, das bescheinigt ihm ein Gericht.

© KURIER/Gilbert Novy

Hanfkönig
07/25/2015

Geschäft mit Cannabis floriert: Nur Blühen ist streng verboten

Alex Kristen macht als Hanfbauer jährlich vier Millionen Umsatz – und das ganz legal.

von Michaela Reibenwein, Gilbert Novy

Manchmal flunkert Alex Kristen, wenn die Sprache auf seinen Beruf kommt. Denn der 44-Jährige ist Hanfbauer – und zwar ein ganz legaler. "Normalerweise sag’ ich das auch, wenn ich gefragt werde. Aber wenn ich müde bin, sage ich lieber, dass ich ein Garten-Fachgeschäft habe", lacht er. Diskussionen sind bei seinem Beruf vorprogrammiert.

Im Industriegebiet von Brunn/Gebirge (NÖ, Bezirk Mödling) hat Kristen vier Hallen angemietet. "Flowery Field" – die etwas andere Blumenhandlung – steht vis a vis von einer Armaturen-Firma und einem Würstelstand. Wo Kristen auch Gegenwind entgegen bläst: "Ah! Der Giftler!", wird er von manchen Gästen begrüßt. Darüber muss er lachen: "Das sagen die, die schon am Vormittag Alkohol trinken."

Sein Geschäft ist legal. Das hat das Oberlandesgericht nach langem Rechtsstreit bescheinigt. Denn: Bei Kristen werden ausschließlich Hanf-Stecklinge verkauft. So lange sie nicht blühen, produzieren sie kein THC – und haben somit auch keine berauschende Wirkung. Damit die Pflanzen nicht zu blühen beginnen, werden sie täglich 18 Stunden beleuchtet.

Dazu kommt ein ausgeklügeltes Klimasystem: 26,1 Grad hat es selbst an den heißesten Tagen. Entsprechend gesalzen ist die Stromrechnung: "Alle zwei Monate zahle ich 30.000 Euro."

Hanfzucht ist harte Fließbandarbeit. 30 Mitarbeiter hat Kristen insgesamt, ein Teil ist den ganzen Tag damit beschäftigt, die Triebe von den Mutterpflanzen zu schneiden. Patrick ist einer davon. "Eigentlich wissen alle, was ich beruflich mache", sagt er. "Nur meine Oma nicht. Die würd’ mich enterben."

Tausende Pflanzen

Im nächsten Arbeitsschritt werden die abgeschnittenen Stecklinge verpflanzt. Dann kommen sie in die Nebelkammer, wo sie Wurzeln schlagen. Tausende Hanfpflanzen stehen in Brunn. Wie viele genau, verrät Kristen nicht. Sehr wohl aber seinen jährlichen Umsatz: Der beträgt vier Millionen Euro. "Damit den Leuten auch bewusst wird, was wir an Steuern zahlen."

Dennoch: Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich der fast fertige Jurist – ihm fehlt nur noch die letzte Prüfung – bewegt. "Ich bin als Student zum ersten Mal mit Cannabis in Berührung gekommen." Und da sei ihm erst bewusst geworden, wie verbreitet der Cannabis-Konsum ist. "Ich verstehe nicht, warum man so viele Menschen kriminalisiert."

Dennoch hält er sich strikt an die Regeln. Bei ihm kann man auch Blumenerde, Dünger und andere Pflanzen kaufen. Die sind aber nicht so gefragt. "Manchmal geben wir sie unseren Kunden einfach so mit", lächelt er. Seine Verkäufer sind ausdrücklich darauf geschult, keine Auskunft darüber zu erteilen, wie man die Stecklinge zum Blühen bringt. Ein Hinweis liegt auf der Verkaufstheke. "Aus gegebenem Anlass möchten wir Dich darauf aufmerksam machen, dass wir ausschließlich Pflanzen zu Zierzwecken verkaufen."

Die Liebe zur Botanik ist bei Kristens Mitarbeitern Programm – streng dienstlich natürlich. Lisi Xie, eine chinesische Biotechnologin, werkt im Labor in Wien-Favoriten. "Ich liebe Pflanzen", sagt sie. Ohne Lupe oder Mikroskop trennt sie einzelne Pflanzenbestandteile und pflanzt sie in Reagenzgläser. Mittels In-vitro-Verfahren sucht sie nach einer zukunftsträchtigen Zuchtmethode. "Wächst die Pflanze im Glas, wäre das eine enorme Stromkosten-Ersparnis. Und natürlich bräuchten wir dann deutlich weniger Platz."

Damit wäre das Unternehmen auch gerüstet, wenn Cannabis für medizinische Zwecke angebaut werden kann: "Wir hätten dann sterile Pflanzen."

Bis dahin erweitert Kristen: Am 17. August eröffnet er seine vierte Filiale in der Hosnedlgasse in Wien-Donaustadt. Mit 640 Quadratmetern Verkaufsfläche der größte Hanfshop in Wien.

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