Chronik | Wien 12.03.2018

George-Soros-Universität kommt nach Wien

Die Central European Uni zieht ins Otto-Wagner Spital auf der Baumgartner Höhe © Bild: KURIER/Jeff Mangione

Im Wintersemester 2019/2020 wird der Betrieb im Otto-Wagner-Spital starten.

Wie der KURIER erfuhr, plant die Central European University (CEU) des US-Milliardärs George Soros einen Standort im Otto-Wagner-Spital (OWS) auf der Baumgartner Höhe in Penzing.

Für die Privatuniversität wäre das nach dem Hauptsitz in Budapest und dem Campus am Bard College im US-Bundesstaat New York der dritte Standort. Im Herbst 2017 trat die CEU an Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) heran. In den nächsten zehn Tagen soll das zehnseitige Memorandum of Understanding (Absichtserklärung, Anm.) unterzeichnet werden. Ausgearbeitet wurde es von der Wiener Wirtschaftsagentur. Unterschreiben werden der Wiener Bürgermeister und der Rektor der Privatuni in Budapest, Michael Ignatieff.

Budapest soll laut Ignatieff aber die „Homebase“ der Soros-Uni bleiben. Der ungarische Regierungschef Viktor Orbán erklärte Soros zum „Staatsfeind“, der Hochschule in Budapest droht das Aus – auch wenn derzeit noch Verhandlungen laufen.

25.000 Quadratmeter

Die CEU will etwa ein Drittel des Otto-Wagner-Spitals, also ungefähr 25.000 Quadratmeter, in bis zu zehn Pavillons besiedeln. In der Absichtserklärung wurde festgehalten, dass das Areal auch weiterhin öffentlich zugänglich und die historische Bausubstanz bestehen bleiben muss. Die ersten 500 Studenten sollen im Wintersemester 2019 beginnen. Ein Jahr später soll die Hochschule auf den Steinhofgründen in Vollbetrieb gehen.

Bis 2022 soll der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) aus den Räumlichkeiten ausziehen und der Campus fertiggestellt werden. „Das geht sich aus“, sagt eine Sprecherin des KAV. Einige Pavillons wurden aufgrund der Wiener Spitalsreform (das OWS wird abgesiedelt, Anm.) ja bereits geleert. Fortlaufend werden weitere Pavillons geräumt. Bis der gesamte Universitätsbetrieb auf der Baumgartner Höhe stattfinden kann, werden also einzelne Institute vermutlich noch in Ausweichquartieren untergebracht.

„Die angekündigte Ansiedlung der CEU unterstreicht den hohen Stellenwert Wiens als internationaler Wissenschaftsstandort“, sagt die zuständige Stadträtin Renate Brauner (SPÖ). Häupl sprach von einer „Jahrhundert-Chance“, Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) von einem „Best-Case Szenario“. Mitte dieses Jahres soll laut Gerhard Hirczi, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur, der Mietvertrag für 99 Jahre mit der CEU unterzeichnet werden.

1500 Studenten

Mittelfristig geht die Wirtschaftsagentur von einer Wertschöpfung in der Höhe von 50 Millionen Euro aus. 1000 Arbeitsplätze sollen – abgesehen vom Personal, das die Uni mitbringt – in Wien geschaffen werden. Das sei laut Hirczi vergleichbar mit der Ansiedelung der europäischen Arzneimittel-Agentur, für die Wien sich beworben, den Zuschlag aber nicht bekommen hatte.

1500 Personen könnten in Wien studieren. Welche Fächer, steht laut einer Sprecherin der CEU noch nicht fest. Deshalb könne auch über die Kosten für ein Semester an der Privatuni noch nichts gesagt werden.

( kurier.at ) Erstellt am 12.03.2018