Die UNESCO kritisiert, dass Projekte vorangetrieben werden, die den UNESCO-Richtlinien widersprechen

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Stadtbild
02/22/2017

Gegner zu Heumarkt: "Marke Wien wird entwertet"

Stadt opfere Welterbestatus zugunsten von Investoren, kritisieren Gegner. Chorherr verteidigt das Projekt.

von Anna-Maria Bauer

Die Aktionen der Hochhaus-Gegner gehen weiter: Am Mittwochvormittag hatte die Österreichische Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege (ÖGDO) zur Pressekonferenz "Spekulanten als Stadtplaner" geladen.

Der Tenor des Gesprächs: Die Stadt opfere das Weltkulturerbe zugunsten von Investoren.

Gabriele Eschig, Generalsekretärin von UNESCO Austria, erläuterte, dass Wien den Welterbestatus erhielt, weil die Stadt darum angesucht hatte. Danach seien aber keine rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen worden, die den Erhalt dieses Schutzinstrumentes garantieren würden. "Es werden einfach Projekte entwickelt, die den Auflagen der UNESCO nicht entsprechen", sagte Eschig und verwies etwa auf das Kaufhaus The Mall.

"Flugzeug mit Hochhausdünger"

Denn es geht nicht nur um den Heumarkt. Friedmund Hueber, Präsident der ÖGDO, sieht die ganze Ringstraßenzone in Gefahr. Wilfried Lipp, Präsident von ICOMOS Austria, ergänzte, dass die heutige Situation das Ergebnis einer "Eskalationsdynamik" sei: "Man könnte den Eindruck bekommen, es ist ein Flugzeug mit Hochhausdünger über Wien geflogen."

Autor und Projektgegner Gerhard Ruiss ortete durch die rote Liste "eine Entwertung der Marke Wien", denn so eine Maßnahme werde wohl in allen internationalen Medium zu lesen sein - und das habe "die Stadtregierung zu verantworten".

Auch City Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) fordert alle handelnden Personen dazu auf, sich auch klar zur Erhaltung des Weltkulturerbes zu bekennen und alles zu unternehmen, damit es nicht zu einer Aberkennung komme.

Grüne verteidigen Projekt

In einer Aussendung reagierte Christoph Chorherr, Planungssprecher und Gemeinderat der Wiener Grünen, auf diese Vorwürfe: „Bei jedem neuen Projekt - auch am Heumarkt - ist es ein zentrales Anliegen der Grünen, dass der öffentliche Nutzen für die Wienerinnen und Wiener möglichst groß ist."

Chorherr erläutert weiter: "Neben den wesentlichen Investitionen, die sich der Eislaufverein gewünscht hat (z.B. eine neue, große Eishockeyhalle) ist es uns auch gelungen, den Platz im Sommer für die Bevölkerung zu öffnen und die weit über Österreich hinaus bekannte Traditionseinrichtung Konzerthaus baulich freizuspielen. Das werte ich als Erfolg.“