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Chronik Wien
06/23/2020

Gastro-Gutschein: Wiener freuen sich, Wirte teilweise skeptisch

Die ersten Essens-Bons sind seit heute bei den Wienern im Postfach angekommen. Bei aktuell 2.000 Wirten kann man sie einlösen.

von Laura Schrettl

Johann Strohmayr weiß schon genau, wofür er seinen Gastro-Gutschein einlösen wird: „Für etwas Hochpreisiges natürlich.“ Retourgeld bekomme man eh keines heraus. Den Kreis der Lokale, der dafür in Frage kommt, hat er zumindest eingegrenzt: Ein Restaurant in seinem Heimatbezirk Favoriten soll es sein.

Am Dienstag ist Strohmayr aber ins Wieden Bräu gekommen. Um Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck zu sehen. Die beiden haben dort den Start der städtischen Gutschein-Aktion begangen. Am Dienstag sind nämlich die ersten Gastro-Gutscheine bei den Wienern angekommen. Insgesamt 950.000 Stück wurden verschickt, in den nächsten Tagen werden sie alle in den Postkästen gelandet sein. Single-Haushalte bekommen 25 Euro Guthaben, Mehrpersonen-Haushalte 50 Euro.

2.000 Lokale dabei

Einlösbar sind die Gutscheine aktuell in rund 2.000 Wiener Restaurants und Kaffeehäusern. „Und es werden stündlich mehr“, sagt Bürgermeister Ludwig. Er wird seinen Gutschein – wie Kammer-Chef Ruck spenden. (Das ist zum Beispiel bei der Caritas, bei der Volkshilfe, bei der Diakonie oder beim Flüchtlingsprojekt Ute Bock möglich.) Essen bekamen die beiden im Wieden Bräu auch ohne Gutschein serviert: Ludwig Erdäpfelpuffer Ruck, Schinkenfleckerl.

Bräu-Wirtin Sabine Stark hofft, dass die Gastro-Gutscheine das Geschäft bald wieder ankurbeln. Stammkunden haben sich jedenfalls schon angekündigt.

Aber nicht jeder Gastronom ist so begeistert von der Aktion. „Eine reine Wahlwerbung“, findet der Betreiber des Restaurants Figar ein paar Straßen weiter. Eine direkte finanzielle Unterstützung hätte ihm viel mehr gebracht, als die Gutscheine, sagt er dem KURIER. Ihm sei es egal, ob Gäste mit Gutscheinen zu ihm kommen – oder eben nicht.

Großteil im 1. Bezirk

Die meisten Lokale, die den Gutschein akzeptieren, befinden sich übrigens im 1. Bezirk. In den Randbezirken sind es tendenziell weniger. Das sei schade, sagt eine Studentin, die ein paar Gehminuten weiter beim Mittagessen sitzt. Die Gutschein-Aktion sei zwar „sehr cool“. Aber: Sie würde ihren Essensbon gerne in ihrem Heimatbezirk Liesing verwenden. Und dort nehmen aber nur 58 Lokale teil.

Gültig sind die Gutscheine jedenfalls noch bis September. Bei den meisten Gästen kommt die Aktion beim KURIER-Lokalaugenschein gut an. Für den Pensionisten Strohmayr ist sie ein Versuch, auch ältere Menschen wieder unter die Leute zu bringen. Er ist überzeugt, dass das auch gelingen wird: „Viele werden sich denken: ,Wenn es mich nichts kostet, dann löse ich ihn natürlich ein‘.“