Hannes Kartnig wurde im Restaurant des Hotels Park Hyatt gesehen, ...

© EPA/Barbara Gindl

Fußfessel-Ausgang
10/28/2014

Kartnig feierte mit Fußfessel im Luxushotel

Ex-Sturm-Präsident hatte Erlaubnis. Justizinterne Kritik an "Kuschelvollzug".

von Elisabeth Holzer, Ricardo Peyerl

Österreichs prominentester Fußfessel-Träger erregte schon wieder Aufsehen: Eine Woche, nachdem er wegen seines Opernbesuchs einen Verweis der Justiz erhielt, feierte Hannes Kartnig Montagabend im Restaurant des Wiener Luxushotels Park Hyatt seinen Geburtstag.

"Das war ein genehmigter Ausgang", erklärt Oberstleutnant Kurt Schmiedbauer von der zuständigen Justizanstalt Graz-Jakomini. Im Gegensatz zu Kartnigs Auftritt bei der "Tosca"-Premiere am 18. Oktober habe der Ex-Präsident des SK Sturm diesmal nämlich gleich gesagt, was er vorhabe: "Es ist um geschäftliche Termine in Wien gegangen. Das wollte Herr Kartnig auch gleich mit einem Essen zum Geburtstag verbinden." Kartnig wurde am Montag 63 Jahre alt.

General Peter Prechtl, Leiter der Vollzugsdirektion, platzt aber ob so viel Verständnisses für den rechtskräftig zu 15 Monaten Haft Verurteilten der Kragen: Für Mittwoch bestellte er Anstaltsleiter Josef Adam zum Rapport nach Wien. Ab sofort müssen zudem alle Kartnig betreffenden Entscheidungen von Prechtl abgesegnet werden.

Verärgerung

Der Vizepräsident der Richtervereinigung, Gernot Kanduth, ist ebenfalls verärgert. "So haben wir uns das mit der Fußfessel nicht vorgestellt. Da gibt es ein strenges Programm, das eingehalten werden muss, das ist kein Kuschel-Vollzug." Es gäbe Betroffene, die die strikte Überwachung in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr aushielten und deshalb lieber freiwillig in das Gefängnis zurück gingen, schildert Kanduth.

Ausgänge, wie Hannes Kartnigs Geschäfts- und Gerburstagsessen, mögen zwar rechtlich gedeckt sein, aber "wenn das System von Wenigen ausgenützt wir, schadet man der ganzen Sache. Es zeigt ein falsches Bild dieser Art des Strafvollzuges." Darin ist er sich mit Gerhard Jarosch, Sprecher der Staatsanwälte, einig: "Was Herr Kartnig aufführt, versteht in der Öffentlichkeit niemand."

Vier Freigänge vom Fußfessel-Programm binnen weniger Wochen bekam Kartnig bereits von Graz-Jakomini genehmigt. Erst vergangene Woche wurde er ins Gefängnis zitiert, weil er während eines Zwölf-Stunden-Ausgangs "zur Aufrechterhaltung der sozialen Kontakte" in die Oper ging. Es gab einen Verweis: Im Wiederholungsfall könne er die Fußfessel verlieren.

Strafe im Zentrum

Justiz-Sektionschef Christian Pilnacek, der "Erfinder" des Gesetzes zum elektronisch überwachten Hausarrest, sieht durch solche Aktionen den Sinn dieser Vollzugsform in Frage gestellt: "Es muss alles vermieden werden, was den Eindruck vermittelt, die Fußfessel sei die gelindere Art des Strafvollzuges. Die Strafe steht auch bei der Fußfessel im Zentrum."

Der mächtigste Mann im Ressort hinter Justizminister Wolfgang Brandstetter kann sich schwer vorstellen, dass ein Häftling vom Gefängnis aus – und an diesen Maßstab müssen auch die Fußfessel-Regeln angelegt werden – so einen Ausgang wie Kartnig bewilligt bekommen hätte. Ein solcher werde nur für "wichtige persönliche Angelegenheiten" gewährt – ob eine Geburtstagsfeier im Restaurant diesen Erfordernissen entspricht, sei zu hinterfragen.

Pilnacek will nicht, dass die Fußfessel "als besondere Vergünstigung für Prominente" aufgefasst wird. Ändern will er an den allgemeinen Richtlinien nichts. Das wäre sonst unfair gegenüber allen anderen Fußfesselträgern, die das Programm ohne Ausnahmen absolvieren.

Hannes Kartnig gesteht auf KURIER-Anfrage, in Wien gewesen zu sein. "Ich hab’ Freigang gehabt." Dann wechselt er aber flott von der Rolle des Verteidigers in die des Angreifers. "Ich war beim Anwalt und mit meiner Frau essen, ich hab’ nicht gefeiert. Darf ich das nicht, muss ich verhungern?" Im übrigen sei er gar nicht im Hyatt gewesen. "Ich hab’ dort nur geparkt."

Eine Wiener Geschäftsfrau hat ihn allerdings im Restaurant gesehen: "Er war es. So unscheinbar ist er ja nicht." Und das Park Hyatt bestätigt dem KURIER, dass eine Reservierung auf den Namen Kartnig vorlag.

Der tiefe Fall des Hannes Kartnig:

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