Chronik | Wien
23.07.2017

Fünf Jungpolitiker im Kreuzverhör

Nachwuchshoffnungen der Parteien stellten sich eine Stunde lang den Fragen junger KURIER-Leser.

Wohnungssuche, Zugangsbeschränkungen an den Unis oder das Geschäftsmodell der YouTuber. Zwei Wochen lang hat sich der KURIER intensiv mit der Lebenswelt junger Menschen beschäftigt. Zum Abschluss wurden die Jugendvertreter der fünf größten Parteien des Landes zur Diskussion geladen, sie stellten sich den Fragen junger Leser.

Die wollten etwa wissen, was die Politiker von der Politikverdrossenheit der jungen Menschen halten – und was sie dagegen zu tun gedenken: Asdin El Habbassi, stv. Obmann der Jungen ÖVP, stellt zunächst klar: "Ich glaube nicht, dass es eine Politik- sondern viel eher eine Systemverdrossenheit gibt."

Und dass es die gibt, das kann auch Peter Kraus, Jugendsprecher für die Grünen, gut nachvollziehen: "Wenn man sich ansieht, worüber diskutiert wird, sind das in den meisten Fällen nicht die Zukunftsfragen, die unsere Generation betreffen. Es ist unser Auftrag, diese Themen nach vorne zu bringen."

Zum Beispiel die Bildung. Wie die Jungpolitiker zur Bildungsreform stehen? Für Nikolaus Scherak, stv. Klubobmann der Neos, geht die Reform zwar in die richtige Richtung, aber nicht weit genug: "Es gibt ein wenig mehr Autonomie, neue Bezeichnungen – aber am Ende geht’s um Parteipolitik."

Maximilian Krauss, Jugendsprecher der Wiener FPÖ, ergänzt: "Wichtige Punkte – etwa sicherzustellen, dass Schüler, die in die Pflichtschule kommen, Deutsch können müssen – hat man wieder einmal verschlafen. In der neuen Regierung, in der wir hoffentlich vertreten sein werden, wollen wir das noch einmal angehen."

Auch Julia Herr, Vorsitzende der Sozialistischen Jugend, gibt zu, mit dem Endergebnis nicht zufrieden zu sein, weil zu viel parteipolitisch diskutiert wird. "Dabei geht es darum, Bildung so zu gestalten, dass sie einen auf das Leben vorbereitet. Oft hat jemand eine Matura, kann aber keinen Steuerausgleich machen. Wir brauchen mehr Praxisrelevanz. Es muss ja nicht jeder studieren. Ich glaube, wir müssen auch den Respekt gegenüber Lehrberufen stärken."

Junge bei der Arbeit

Neben der Bildung bereitet vielen Jungen die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt Kopfzerbrechen. Wie stehen die Jungpolitiker zur viel diskutierten Arbeitszeitflexibilisierung? Julia Herr mahnt hier zur Vorsicht: "Bei dem Wort denkt man schnell, dass jeder arbeiten kann, wann er will. Es kann aber auch eine Falle sein, wenn es in Wahrheit darum geht, Überstunden nicht auszubezahlen." Dabei würden die Menschen schon jetzt zu viel arbeiten. "Es gibt in Österreich 300 Millionen unbezahlte Überstunden im Monat. Wir müssen überlegen, wie wir es schaffen, dass die einen nicht vor Überarbeitung ins Burn-out schlittern, während die anderen arbeitslos sind."

Aufpassen, ergänzt Peter Kraus, müsse man auch darauf, dass es nicht nur für die Arbeitgeber flexibler werde. In diesen hochtechnologisierten Zeiten werde immer weniger Arbeit an einem Ort zu einer bestimmten Zeit stattfinden: "Dennoch muss es faire Bezahlung geben."

Dass immer das Schreckgespenst des bösen Arbeitgebers bemüht werde, ärgert Scherak. Er habe viel mit Arbeitnehmern wie -gebern gesprochen. Das Fazit: Die Flexibilisierung sei oftmals schon Alltag. Leider stünden derzeit viele mit einem Fuß in der Kriminalität.

Heiß diskutiert wurde auch das Thema Cannabis – für dessen Legalisierung sich die Vertreter von Grüne, SPÖ und Neos einsetzen. (Weil man Verkauf und Konsumation besser überwachen könne.) Dem entgegen steht der Wunsch nach strengeren Kontrollen von ÖVP und FPÖ.

Auch der Wahlkampf wurde thematisiert. Zum einen wurde Peter Kraus auf den Bruch der Grünen mit ihrer Jugendorganisation angesprochen. Hier plädiert Kraus dafür, das Thema ruhen zu lassen und sich auf Inhalte zu konzentrieren.

Und wie steht Julia Herr einer rot-blauen Koalition gegenüber? Die SJ-Vorsitzende räumt ein, dass Rot-Schwarz in den vergangenen Jahren schlechte Arbeit geleistet habe. Eine Koalition mit der FPÖ sei aber keine Lösung, weil dadurch ein Herzthema der SPÖ gefährdet wäre: die soziale Absicherung.