© KURIER - Gruber

Betrugsprozess
03/12/2015

Frau gab sich als Zwillingsschwester aus

50-Jährige nahm Kredite auf, fing Mahnbriefe ab und ließ Schwester aus Wohnung werfen.

von Ricardo Peyerl

Als Maria H. nach Hause kommt, werden gerade ihre Möbel aus der Wohnung getragen. Zwangsräumung, weil sie angeblich seit Monaten den Zins schuldig geblieben ist. Dabei hat sie ihn doch immer pünktlich überwiesen. Aber erst am Vortag – wird die Wienerin erinnert – habe sie doch beim Hausverwalter weinerlich um Zahlungsaufschub gebeten.

Des Rätsels Lösung wurde nun vor Gericht ausgebreitet: Es war die (eineiige) Zwillingsschwester. Eva C. brach im Namen ihrer Schwester in Tränen aus, sie hatte die Zinszahlungen vom Konto umgeleitet und die Verständigung über die Delogierung vernichtet, sie war zur Bank ihrer Schwester marschiert und hatte dort als Maria H. das Konto abgeräumt sowie Darlehen aufgenommen.

Verspekuliert

Als Eva C. wäre sie nämlich nicht kreditwürdig gewesen. Beide 50-jährigen Schwestern hatten Ausbildungen zur Kosmetikerin absolviert, doch während Maria H. ihr Leben im Griff hatte, verspekulierte sich Eva C. und wurde arbeitslos. Sie hatte einen Schlüssel zur Wohnung der Schwester, nahm dort den Reisepass und andere Unterlagen an sich, mit denen sie Kredite aufnahm. Insgesamt richtete sie laut Betrugsanklage im Namen ihrer Schwester 150.000 Euro Schaden an.

Dabei bemühte sie sich bei den Unterschriften nicht einmal, die Schrift ihrer Schwester gut nachzumachen. Die Bankangestellten achteten nicht darauf, schauen die Zwillingsschwestern doch ident aus. Auch die betagte Mutter wurde von Eva C. mutmaßlich betrogen, indem sie diese unter falschen Angaben überredete, einen 70.000 Euro-Kredit aufzunehmen. Zur Sicherheit diente eine Liegenschaft, die zur Hälfte der Mutter und zur Hälfte Maria H. gehörte. Auch bei diesem Bankgeschäft wies sich Eva C. als ihre Schwester aus. Die ahnte nichts, weil die an sie gerichteten Mahnbriefe von der Angeklagten abgefangen wurden.

Als endlich alles aufgeklärt war, hatte Maria H. ihre Wohnung verloren. Böse ist sie der Schwester trotzdem nicht: Diese sei krank, man solle ihr helfen, erklärte sie als Zeugin. Das dürfte jetzt passieren. Eva C., von Herbert Eichenseder verteidigt, scheint unter Realitätsverlust zu leiden und wird psychiatrisch begutachtet. Sie gab an, ihr Mann erwarte Geld aus einer Erbschaft. Dabei ist gar niemand gestorben.

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