Chronik | Wien
05.12.2011

FPÖ will Pferde-Polizei auf der Insel

Die Freiheitlichen nehmen den Mord auf der Donauinsel wieder zum Anlass, berittene Polizei zu fordern. Die Ställe sollen in die Lobau.

Hufe-Geklacker auf der Donauinsel: So stellt sich die FPÖ ihr Sicherheitskonzept für die Wiener Erholmeile vor. Dass am Wochenende auf der "Insel" ein Mord passierte, nahm die FPÖ wieder zum Anlass, ihre Forderung nach berittener Polizei in Wiens beliebtem Naherholungsgebiet zu erneuern. Am Sonntag war im Zuge eines Streits zweier Gruppen ein junger Mann erstochen worden. Passanten hatten den Toten in der Nähe der Reichsbrücke gefunden, zuvor hatten Zeugen eine Auseinandersetzung beobachtet. Dabei dürfte ein Messer gezückt und dem Opfer in die Brust gerammt worden sein. Der oder die Täter sind nun auf der Flucht.

Dass solche Szenarien mit Polizisten hoch zu Ross zu verhindern wären, glaubt die FPÖ. Sie fordert nach eigenen Angaben bereits seit zehn Jahren berittene Polizei auf Donauinsel oder im Prater. Denn dort herrschten "Prügeleien, Messerstechereien und Drogenhandel", wie die FPÖ laut Aussendung weiß: "Die Donauinsel und der Prater sind zu einem Mekka für Verbrecher verkommen."

Die Wiener Freiheitlichen haben auch einen Plan: Auf der Donauinsel sollten im Sommer etwa zwanzig Beamte - samt zwanzig Pferden - patrouillieren. In der Lobau sollten die dazugehörigen Stallungen hingestellt werden, wie Gemeinderat Anton Mahdalik der Presse verriet. Doch im selben Bericht gibt gleich Polizeioffizier Hans Golob Contra: "Gerade wenn ein Beamter schnell einschreiten muss, kann ein Pferd hinderlich sein". Außerdem würden Pferde schreckhaft sein und gerade in Auseinandersetzungen eine mögliche Gefahr darstellen.

100.000 Euro

Wiens FP-Obmann Johann Gudenus weiß aber um die Vorteile der Dienst-Gäule: "Ein berittener Polizist wirkt allein durch die beeindruckende Größe abschreckend auf Kriminelle. Der Beamte kann auf dem Rücken eines Pferdes ein größeres Gebiet überblicken und ist flott, geländegängig und umweltfreundlich unterwegs. Zudem zeigen Studien, dass die Pferde bei Großveranstaltungen zu Beruhigung und Deeskalation beitragen." Die Kosten würden sich laut blauem Konzept auf 100.000 Euro für den Aufbau und dann jährlich weiter 50.000 Euro belaufen. "Gering", wie die FPÖ befindet.

Wiens SPÖ hat sich laut Presse offen gegen die berittene Polizei ausgesprochen. Sie halte das Konzept für "ineffizient und sündteuer", heißt es.

Die großen Fragen

Eine nicht ganz unbedeutende Frage bringt das Wiener BZÖ im Streit um die Galopp-Beamten auf: Wohin mit den "Hinterlassenschaften" einer berittenen Einheit? Der Wiener BZÖ-Chef Michael Tscharnutter plädiert daher für die "Weißen Mäuse" auf der Insel, also für Motorradpolizisten. "Mit ihren Enduro-Motorrädern können die Polizisten jeden Punkt an der Rinne rasch erreichen - und bei größeren Entfernungen auch die Autobahn benützen", so Tscharnutter.

"Wenn sich das System bewährt, gibt es auch schon Hersteller von Elektro-Motorrädern, die weniger Schmutz machen, als Pferde, deren Kot weggeräumt werden muss und der eine Sturzgefahr für Pedalritter darstellt", so das BZÖ-Wien.